Zeitung Heute : Ludwig Leichhardt erforschte vor 170 Jahren Australien

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In Australien ist er weltberühmt, in Brandenburg im Raum Cottbus kennt man ihn auch, doch gesamtdeutsch ist er eher ein Unbekannter, obwohl er Bahnbrechendes für die Erforschung des australischen Kontinents geleistet hat. Alexander von Humboldt und Lateinamerika, die Assoziation kommt sofort, doch Ludwig Leichhardt? Am 23. Oktober dieses Jahres feiert man in Brandenburg und Australien seinen 200. Geburtstag.

Dass er einmal der bekannteste Deutsche Australiens werden würde, konnte 1813 im Dorf Sabrodt/Trebatsch am Schwielochsee im Haus des Torfinspektors Hyronimus Leichhardt keiner ahnen. Leichhardt schreibt sich an der Berliner Universität für Geografie, Philologie, Sternkunde und Anthropologie ein, wechselt 1833 nach Göttingen und lernt dort den englischen Studenten William Nicholson kennen. Nach seiner Rückkehr nach Berlin 1834 schließt er sich einer Harzreise seines Geologieprofessors an. Doch das Studium sagt ihm nicht zu, er bricht es ab und reist mit seinem Freund Nicholson nach London, um das Land besser kennenzulernen. 1840 entzieht er sich dem preußischen Militärdienst, indem er eine Studienreise durch Frankreich und Italien bis ans Mittelmeer macht.

Hier muss sein Forschergeist geweckt worden sein, denn mit Nicholson schmiedet er Pläne, Neuholland in Australien zu erkunden, er möchte in „den Kern der dunklen Masse“ Australiens vordringen. Nicholson sagt im letzten Moment ab, so dass der Deutsche am 1. Oktober 1841 allein auf dem Segler „Sir Edward Piaget“ nach Australien aufbricht, wo er im Februar 1842 in Port Jackson eintrifft. Leichhardt begibt sich nach Brisbane an der Moreton Bay, wo er erste Reisen in die Umgebung unternimmt und sich mit dem Land, dem Klima und den Eingeborenen vertraut macht. In ihm reift der Plan, von dort auf dem Landweg nach Port Essington an der Nordostküste zu reisen.

Am 1. Oktober 1844 startet er zu dieser, seiner ersten Expedition. Sie sollte zwei Jahre dauern. 16 Rinder, 17 Pferde und neun Menschen reisen mit, davon zwei Ureinwohner. Im Gepäck haben sie 1200 Pfund Mehl, 200 Pfund Zucker, 80 Pfund Tee, 20 Pfund Gelatine und ungefähr 20 Pfund Schießpulver, dazu vier Beutel Schrotkörner. Damit, glaubt Leichhardt, komme man sieben Monate aus. Ein wagemutiges Unterfangen – schon am ersten Tag verirren sich die Ochsen und halten so die Expedition auf.

Leichhardt notiert akribisch alles in seinem Tagebuch: Temperatur, Wetter, Flora und Fauna, die Beschaffenheit des Geländes. Vor allem bei schweren Gewittern wird die Reise durch das unerschlossene Gelände zur Strapaze, die Tiere sinken im Schlamm ein und kommen nur mühsam vorwärts. Die Expedition ernährt sich von der Jagd, schießt Leguane, Kängurus und Vögel. Im November werden die Vorräte knapp und Leichhardt schickt zwei Mitreisende zurück. Er muss sich eingestehen, dass er die Dauer der Reise falsch berechnet hat.

Ab und an treffen sie auf Eingeborene, die Leichhardt reserviert beschreibt; für Geschenke sind die Vorräte zu knapp. Aber es bleibt nicht immer so harmlos. Am 28. Juni 1845 werden bei einem nächtlichen Überfall ein Expeditionsmitglied getötet und zwei verletzt. Am 17. Dezember erreicht die Gruppe Port Essington. Einen Monat später tritt Leichhardt auf einem Segler die Rückreise nach Sydney an, wo er am 23. März 1846 begeistert empfangen wird.

Doch schon bald reizt es den Deutschen, den gesamten Kontinent zu durchqueren und nach Perth zu gelangen – ein ungleich größeres Abenteuer. Am 1. Oktober 1846 bricht die Expedition auf. Am 5. März erkrankt die ganze Mannschaft, die Strapazen nehmen zu und am 7. Juni 1847 beschließt Leichhardt schweren Herzens umzukehren. Im Dezember 1847 bricht er noch einmal nach Westen auf, doch von dieser Reise kehrt er nicht zurück. Bis heute bleibt sein Verschwinden ungeklärt. Die Australier benannten Straßen, Schulen und Berge nach ihm – und so ist er in Australien bis heute der bekannteste Deutsche.Rolf Brockschmidt

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