Zeitung Heute : Lufthansa schreibt Handy-Knigge

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Frau Güth, Sie arbeiten bei Lufthansa. Ihre Firma interessiert sich sehr für das Projekt „Handy im Flugzeug“, das zurzeit beim Deutschen Luft und Raumfahrtzentrum entwickelt wird. Das ist ja auch ein schöner Service, aber…

…es wird bestimmt Passagiere geben, denen es auf die Nerven geht, dass auch im Flugzeug bald Handys klingeln. Das stimmt. Deshalb überlegen wir jetzt schon, eine Art Handy-„Etikette“ einzuführen, Benimmregeln, könnte man sagen.

Und wie sehen die aus?

Sie müssen verstehen, das sind zunächst nur grobe Überlegungen, denn wir haben ja noch kein Produkt in den Händen. Die Technik ist in der Entwicklung, und wenn die Geräte fertig sind, müssen sie erst einmal zertifiziert werden. Außerdem ist das Handytelefonieren an Bord immer noch gesetzlich verboten, auch da gibt es noch viel zu besprechen. Aber wenn es dann endlich so weit ist: Von der Philosophie der „quiet cabin“, der ruhigen Kabine, werden wir nicht abrücken.

Also kein Dauergeklingel?

Wir wollen ja keine fliegenden Telefonzellen werden. Auf Nachtflügen beispielsweise werden wir die Empfänger einfach ausschalten.

Da drückt der Pilot dann auf einen Knopf?

Nein, das lässt sich alles automatisch steuern, für jeden Flug separat. Wir haben da mehrere verschiedene Modelle entwickelt, die wir einfach austesten müssen und schauen: Was akzeptiert der Gast noch an Handygeklingel und SMS-Piepsern, was ist zu viel? Diese Modelle richten sich nach Strecken, Flugphasen und auch nach den Klassen.

Die Erste darf alles, die Holzklasse nix?

Eher im Gegenteil. In der ersten Klasse besteht ein größerer Anspruch auf Ruhe, also wird der Handygebrauch wohl strenger geregelt. Aber wir überlegen, ob wir nicht eine Extra-Zone einrichten, eine Art Handy-Lounge.

Wie ist das beim Essen? Handygespräche ja oder nein?

Wir stellen uns das vor wie in jedem guten Restaurant. Da darf der Gast ja auch nicht wild herumtelefonieren. Während des Essens werden wir vermutlich nur SMS zulassen. Während der Ruhephasen gar nichts, weder reinkommende Anrufe noch MMS oder SMS. Zu anderen Zeiten wieder alles. Auf langen Strecken wird es natürlich sehr viel mehr Restriktionen geben als auf den kurzen.

Zur Sicherheitsfrage: Jahrelang wurde den Passagieren eingetrichtert, dass Handys im Flugzeug gefährlich seien. Was sagen Sie jetzt?

So ein Produkt einzuführen, dazu gehört natürlich mehr, als nur die aufgerüsteten Maschinen hinzustellen. Wir werden uns sehr genau Gedanken machen, wie wir den Kunden erklären, dass wir in puncto Sicherheit keine Kompromisse eingehen. Und sicher werden wir auch die Flugbegleiter schulen, damit sie nervöse Passagiere beruhigen können.

Das Gespräch führte Christine-F. Röhrs

Tanja Güth, 29, ist Projektmanagerin im Ressort „Kabinenentwicklung und Produktinnovationen“ der Lufthansa und dort zuständig für die Einführung der Telefontechnik an Bord der Maschinen.

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