Zeitung Heute : Lust am Bass

JÖRG KÖNIGSDORF

Schon reif: Andrea Duka Löwenstein geigt im MeistersaalJÖRG KÖNIGSDORFAls Präsentator junger Musikertalente gilt Gerd Albrecht als unbestrittene Autorität.Auch die zweiundzwanzigjährige Berlinerin Andrea Duka Löwenstein, die Albrecht dem Publikum beim Konzert des Pegasus-Kulturkreises im Meistersaal vorstellte, ist bereits eine fertige Meistergeigerin: Zu einem farbigen, nuancenreichen Ton mit gleichmäßigem, unaufdringlichen Vibrato gesellen sich eine ausgefeilte Dynamikkontrolle und eine Grifftechnik, die sie auch bei einem exhibitionistischen Stück wie Franz Waxmanns Carmen-Fantasie nicht im Stich läßt.Das sind die besten Voraussetzungen für die Umsetzung interpretatorischer Ideen, die in Prokofieffs D-Dur-Sonate jedoch nur spärlich aufschienen.Doch schien das Stück hier ohnehin nur ein Vehikel zur Künstlerpräsentation zu sein, die routinierte Klavierbegleitung von Phillip Moll erweckte nicht den Eindruck einer gemeinsam erarbeiteten musikalischen Aussage. Pianisten haben es da besser, und Martin Helmchen schwelgte denn auch ohne beschwerende Partnerschaft mit hörbarem Vergnügen in den Klangeffekten von Liszts zweiter Ungarischer Rhapsodie.Zwar ist Helmchen noch kein so ausgereifter Musiker wie Andrea Duka Löwenstein, Übergänge geraten da noch etwas unelegant, die einleitende Französische Ouvertüre von Bach ist mehr ein Zeugnis von umsichtiger Stimmgewichtung und rhythmischer Disziplin.Doch besitzt der erfreulich normal wirkende Fünfzehnjährige gestalterische Phantasie, geht das Liszt-Stück mit launigem Rubato und Lust an donnerndem Baß und klingelnden Diskanttrillern an.Ein starkes Talent, auf dessen Entwicklung man neugierig sein darf.

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