Zeitung Heute : Lustvoller Haß

Doppelt oder halb: "La mirada del otro""Begonia kostet auf wütende Weise das Leben einer Mittdreißigerin aus.Sie verfolgt nur ein Ziel in ihrem Leben: sie will dem Tier, welches in ihr wohnt, in die Augen sehen." Schönste Schundroman-Prosa, dieser Text des spanischen Pressehefts, und exakt in diesem Stil läuft der ganze Film ab: das Psychogramm einer Frau, wie sich der 71jährige spanische Altmeister Vicente Aranda ("Amantes") diese leidige Spezies so denkt.Das ewige Rätsel, irrational und lustbesessen, selbstverständlich Männern verfallen, vor allem älteren und ohne jedes Gefühl für sie außer Haß, Verachtung, Demütigungslust.Dahingetrieben von Mann zu Mann und sich für kein Experiment in lustvollem wechselseitigem Haß zu schade. Gespielt wird diese Phantasie, nach einem Roman von Fernando Garcia Delgado, in stilvollstem Ambiente von Laura Morante, dem italienischen Ex-Armani-Model und Nichte der Schriftstellerin Elsa Morante.Sie macht das mit erstaunlicher Entschlußkraft, dabei ist die Rolle psychologisch derart schwach motiviert, daß man die Frau schlicht nicht kapiert - trotz Anspielungen auf Inzest-Erlebnisse und Psychiater.Begonia rennt durchs Leben mit dem einzigen Ziel, sich von Männern sagen und zeigen zu lassen, wer sie ist.Ihre Auswahl ist dabei entweder doppelt so alt oder halb so alt wie sie, die Männer sind emotionale Krüppel oder weltfremd sentimental.Die Liebe wird hier ausschließlich als tiefste Geschlechterfeindschaft gezeigt, es geht um das Zufügen von Wunden, garniert mit ein paar Erotik-Szenen, die Gelächter oder Fluchtbewegungen im Publikum provozieren.Ebenso ein Großteil der Dialoge, von der Art: "Weder du noch ich haben eine Seele".Ach was! Die Furie im Weib ist also gefragt, die in schnellen Autos mit Notebook durch die Welt rast, die Realität mit einer Videokamera verdoppelt auf der Suche nach der verlorenen Realität ihres Selbst und dabei doch nicht hinter ihre eigene schöne Hülle dringt.Rache an der Nymphomanin? Finale Einsamkeit ist jedenfalls Ende und Moral der Geschichte, und daß die langjährige Aranda-Muse Victoria Abril die Hauptrolle im letzten Moment absagte, zeugt von Geschmack. siz Heute 9.30 Uhr (Royal Palast), 18.30 (Urania), 22.30 (International)

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