Zeitung Heute : Luxus des Lächelns

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Der Blick aufs Ticket räumt jeden hoffnungsvollen Zweifel aus. Rückflug ins kalte Berlin, morgen Mittag, 13 Uhr. Wie kommt man zum Flughafen? Taxi, klar. "Wir reservieren eins für Sie", sagt der freundliche Mann an der Rezeption. Fein, dann bitte für zehn Uhr. Kein ungewöhnlicher Service, erst recht nicht in einer Luxusherberge. Und deshalb, vielleicht, setzen sie im Four Seasons Hotel in Singapur noch einen drauf. Spät in der lauen Nacht, nach einem letzten Spaziergang am Singapore River, entdeckt man den unter der Zimmertür durchgeschobenen Briefumschlag. Darin eine auf feinem Papier hübsch kursiv getippte Bestätigung und Erinnerung an die Reservierung, mit dem höflichen Hinweis, dass man bitte Bescheid sagen möchte, falls man früher, später oder überhaupt nicht mehr ins bestellte Taxi steigen will. Anrede und Unterschrift wurden - so hat es Stil - von Hand und mit Füller geschrieben.

Ein ungewöhnlicher Service. Das Four Seasons in Singapur hat sich eine Reihe solch kleiner "Aufmerksamkeiten" und Überraschungen ausgedacht, die dem Gast das wunderbare Gefühl geben: Hier sorgt man sich um mich. Rund um die Uhr. Deshalb wohl vor allem gilt dieses Hotel in der noblen Orchard Road vielen als die Nummer eins in der asiatischen Boomtown. Von außen merkt man erstmal nichts. Eher einfallslos wirkt die Architektur des 1994 eröffneten, klotzigen Hauses. 254 geschmackvoll eingerichtete Zimmer hat es, selbst die "einfachen" Räume haben mindestens 48 Quadratmeter. Aber das kann man bei einem überaus stolzen Übernachtungspreis wohl erwarten. Genau wie die edel gestylte Einrichtung der Bar One-Ninety. Es gibt größere, schönere Pools und luxuriöser ausgestattete Wellness-Bereiche als hier und dass man auf dem Hoteldach Tennis spielen kann, goutieren eh nur echte Filzkugel-Enthusiasten.

Warum also kann das Four Seasons trotz gewichtiger Konkurrenz in der Luxusklasse immer wieder punkten? Das Erfolgsgeheimnis ist das hoch motivierte, liebenswürdige Personal. Jeder, vom Manager on Duty bis zum Zimmermädchen, scheint hier verliebt in den Job zu sein. So wie Jereme Leung, Chefkoch des international prämierten Gourmetrestaurants "Jiang-Nan Chun". Wie seine Augen leuchten, wenn er über die Zubereitung von Chili Crab, einer Singapurer Spezialität, spricht. Als die Gäste das exquisite Sechs-Gänge-Menü loben, lacht er zufrieden und sagt: "Es hat mir großen Spaß gemacht."

Spaß - die asiatische Zauberformel für ein angenehmes Leben. Eine wunderbare Philosophie, die sich in diesem Hotel jedem Gast erschließt. Nicht grübeln soll er, sondern genießen. Um die profanen Dinge des Alltags kümmern sich andere. "Haben Sie Pass und Flugticket?" fragt der Portier besorgt, als er den Koffer im Taxi verstaut hat. Fürsorge, die nichts kostet und viel bewirkt. Warum nur ist sie so selten in der (Luxus-)Hotellerie?

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