Zeitung Heute : Mac im Schlick

Wie sich Niedersachsens CDU-Kandidat McAllister gegen den drohenden Machtverlust stemmt.

Es gibt den Moment in der Rede des Wahlkämpfers, da muss er seinem Publikum den Hirsch geben. „16 Tage und der Rest von heute“, dröhnt David McAllister in die Wilhelmshavener Stadthalle, „Mac dreht den Turbo auf!“ Der Saal quittiert den Ausbruch mit norddeutsch gebremstem Jubel. Das mit den 16 Tagen und dem Rest, wird McAllister später Angela Merkel erläutern, das sei Bundeswehrjargon. Und weil der niedersächsische Ministerpräsident und CDU-Spitzenkandidat die Kanzlerin an den größten Marinestandort der Republik geladen hat, hat er sich gedacht, das Publikum hier, das versteht den Spruch. Vielleicht versteht es ihn besser, als er denkt. Er ist vor allem üblich zum Abzählen der Tage bis zur Entlassung.

16 Tage sind es also am Freitagabend noch bis zur Landtagswahl. Niedersachsen ist der erste Testlauf im Bundestagswahljahr, entsprechend wichtig nehmen es derzeit die Bundesspitzen. „Wir sind hier, damit wir hier sind“, sagt denn auch ein Teilnehmer der alljährlichen Winterklausur des CDU-Bundesvorstands. Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier hat sich bei dem Kollegen aus Hannover bloß vorher erkundigt, ob dieses Wilhelmshaven nicht schon in Südnorwegen liege. Liegt es nicht, dafür aber in Feindesland: Ostfriesland ist derart rot, dass McAllisters SPD-Herausforderer Stefan Weil seinen Wahlkampfauftakt mit dem Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück am gleichen Abend ans andere Ende der Halbinsel, in die VW-Stadt Emden, verlegt hat. Aber Wilhelmshaven, wegen seiner Trostlosigkeit von den Eingeborenen „Schlicktown“ genannt, hat seit der letzten Kommunalwahl einen CDU-Oberbürgermeister. Wunder sind also möglich.

Es ist so etwas in der Art, was McAllister dringend braucht. Seine CDU steht glänzend da. Aber sein Partner FDP muss zittern, trotz des leichten Vier-Prozent-Aufwärtstrends in der letzten Umfrage. Über die bundespolitischen Folgen eines Scheiterns macht sich niemand Illusionen. McAllister gibt am Samstag die Parole aus: „Wir wollen das Jahr 2013 zum Jahr der Union machen“, mit Niedersachsen als Auftakt. Intern hat er abgestritten, dass er auf einem Neujahrsempfang indirekt die eigenen Truppen dazu aufgerufen hat, der FDP über die Hürde zu helfen. Dabei wäre das nur logisch. Aber dass am Ende die FDP zu gut aus der Wahl hervorgeht, und zwar auf Kosten der CDU – das Signal, sagt ein Vorstandsmitglied, wäre auch nicht richtig.

Also taucht in der ansonsten belanglosen „Wilhelmshavener Erklärung“ die FDP gar nicht erst auf, nur die Erfolge der „CDU-geführten Bundesregierung“. Und der Niedersachse und die Kanzlerin geben sich überzeugt, dass die FDP den Einzug in den Landtag „aus eigener Kraft“ schaffen werde. Den Rest müsste, wenn es nach den Wünschen der Union ginge, als Demotivator der eigenen Truppen der SPD-Stolperkandidat Steinbrück erledigen. „Von mir aus kann der in Niedersachsen auftreten“, ätzt McAllister. „Mich stört der nicht.“

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