Zeitung Heute : Machtkampf im BER-Aufsichtsrat

Jetzt gerät Technikchef Amann in die Kritik / Ramsauer wehrt sich gegen Vorwurf der Täuschung.

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Berlin - Im Streit um das BER-Desaster gerät zunehmend auch Flughafen-Technikchef Horst Amann in die Kritik. Bei der Aufsichtsratssitzung am heutigen Mittwoch wird es nach Meinung von Insidern nicht nur um die mögliche Ablösung von Flughafenchef Rainer Schwarz gehen, sondern auch auch um Amanns Rolle. Es sei rätselhaft, sagen Kenner der Materie, dass Amann im öffentlichen Urteil so gut dastehe und sich alle Kritik auf Schwarz konzentriere. Dass es in Tegel trotz der Belastungen so gut laufe, sei in erster Linie ein Verdienst der Mitarbeiter, aber es sei Schwarz, der das Airlinegeschäft verantworte, und wenn das gut liefe, müsse man das schon auch dem Mann an der Spitze mit zugute halten.

Allerdings gibt es auch grundsätzliche Kritik an Schwarz – nicht nur wegen der aktuellen Situation. So sei es ihm nicht gelungen, Fluggesellschaften mit an Bord zu nehmen; das Verhältnis zu ihnen sei zerrüttet. Auch im Unternehmen ist er kaum verankert: Entscheidungen habe er allein getroffen, einen Kreis von Vertrauten, die ihn hätten beraten können, habe er nicht aufbauen können, heißt es im Unternehmen. Schwarz habe zwar mit Nürnberg und Düsseldorf mehrere Flughäfen geleitet, aber vorwiegend als Kaufmann. Ums Fluggeschäft habe er sich weniger gekümmert. Auch in Berlin hat er vor allem den sogenannten Non- Aviation-Bereich erweitert und die Flächen für Geschäfte und Lokale auf den beiden Flughäfen verdoppelt. Dafür immerhin gibt es Lob im Unternehmen. Schwarz soll auf der heutigen Sondersitzung des Flughafen-Aufsichtsrats abgewählt werden. Auch sein Verhältnis zu Amann soll gespannt sein.

Insider der Flughafengesellschaft werfen Amann vor, er bausche die Probleme auf der Baustelle auf, um selber gut dazustehen. Die Stimmung im Unternehmen und bei den Mitarbeitern leide unter seinem herrischen Auftreten. Das Projekt stehe zwar „desaströs, aber sicher nicht katastrophal“ da, wie es ein Mitarbeiter der Flughafengesellschaft formulierte.

Projektbeteiligte weisen darauf hin, dass es unter den Mitarbeitern, aber auch bei den Gesellschaftern Berlin und Brandenburg unangenehm aufgestoßen sei, dass Amann möglicherweise Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) vor den anderen Gesellschaftern von seiner Ansicht unterrichtet habe, dass der ursprüngliche Eröffnungstermin nicht zu halten sei. SPD-Chef Sigmar Gabriel hatte Ramsauer vorgeworfen, Informationen über die erneute Verschiebung der Flughafeneröffnung verschwiegen und die Öffentlichkeit getäuscht zu haben. Ramsauer wies das am Montag entschieden zurück.

Die Pannenserie am Hauptstadtflughafen wird nun zum Zankapfel der Bundespolitik. Eine Sondersitzung des Haushaltsausschusses des Bundestages wurde nach etwa einer Stunde abgebrochen. Vertreter von Union und FDP rügten scharf, dass Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (beide SPD) zu der Sitzung nicht erschienen waren. Haushaltspolitiker von SPD, Grünen und Linken kritisierten im Gegenzug, Union und FDP hätten verhindert, dass sich Ramsauer über seine Rolle äußern muss.

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