Zeitung Heute : Mädchen mischen Mi(n)t

Noch mehr junge Frauen müssen sich trauen

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Die Abkürzung „Mint“ steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Nicht unbedingt Schulfächer, für die sich Mädels begeistern. Oder vielleicht doch? „Gerade in der Pubertät verlieren viele Mädchen das Interesse an Technischem“, sagt die Soziologin Margot Mooraj. Das liege vor allem an unserer Geschlechterordnung. „Sie sollten aber die Freiheit haben, unabhängig davon zu entdecken, was ihnen liegt.“

Zum Glück sind inzwischen immer mehr Mädchen so frei und entscheiden sich für ein Studium, das sie interessiert. So sind mittlerweile je 18 Prozent der Studienanfänger in Maschinenbau und Verfahrenstechnik weiblich, in Bauingenieurwesen 27 und in Mathematik sogar 50 Prozent. Hochschulen unterstützen sie mit Förderprogrammen und Frauenstudiengängen. Und sie lernen, sich in ihren Fachgebieten durchzusetzen und gemeinsam mit Männern im Team zu arbeiten – so wie es die Realität im Berufsleben fordert. Denn immer mehr Unternehmen entdecken neben der fachlichen Qualifikation die Vorteile der weiblichen Sichtweise in der Produktentwicklung oder ihre Kommunikationsstärke in Projektteams.

Dasselbe gilt für die Ausbildungsberufe. „Für Mädchen in technischen Berufen ist gerade jetzt eine interessante Zeit“, sagt Carmen Ruffer vom Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit, das seit zehn Jahren den „Girls’ Day“ organisiert. „Die Nachfrage von Seiten der Wirtschaft ist hoch, weil kreative Prozesse im Team besser funktionieren, wenn Frauen an Bord sind.“ Auch die Produktivität und der Umgangston in einer gemischten Arbeitswelt seien besser.

Besonders Berufe, die Disziplingrenzen sprengen und vernetztes Denken erfordern, sind laut Carmen Ruffer interessant für Frauen – etwa Mechatronikerin, Produktionstechnologin oder Wirtschaftsingenieurin. Das gelte auch und vor allem in Gestalt eines dualen Studiums, also der Kombination von Theorie und Praxis. Damit hätten junge Frauen beste Aufstiegschancen. Tong-Jin Smith

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