Zeitung Heute : Märchenonkel der Nation mit Zukunftsvision

Marc Hairapetian

Der markante Bariton unzähliger Märchen- und Abenteuer-Schallplatten hat ihn Generationen großer und kleiner Kinder bekannt gemacht. Er spricht Worte nicht einfach aus, er gestaltet sie. Wenn Hans Paetsch Worte wie "Angst", "Zorn" oder "Ungeheuer" über die Stimmbänder kommen, laufen dem Zuhörer unweigerlich Schauer über den Rücken. Ist hingegen von der "guten Sonne" die Rede, strahlt einem das Herz. Heute wird der Grandseigneur der Synchronbranche 90 Jahre alt.

Auch wenn der von wacher Intelligenz geleitete Paetsch nach einer mehr als 50 Jahre umfassenden Theaterkarriere bereits 1991 seinen Bühnenabschied genommen hat, ist er mit Lesungen, Film- ("Lola rennt") und Synchronarbeiten (von Kubricks "Barry Lyndon" bis zur Seifenoper "Springfield Story") beschäftigt wie eh und je. Auch die "Jungen Wilden" haben ihn längst entdeckt: Von den "Toten Hosen" bis zur apokalyptischen Zukunftsvision eines Stefan Pucher an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz.

Zum "Märchenonkel der Nation" machte ihn seine Erzählertätigkeit. Paetsch sprach für das Schallplattenlabel "Europa" Klassiker wie "Hui Buh" oder "Der Schatz im Silbersee". Anfang 2000 sollen die alten Karl-May-Erfolge neu aufgenommen werden und der im Elsaß geborene Wahl-Hamburger wird wieder "Intschutschuna" sein - "weil mich heute noch die Kinder von damals auf der Straße so nennen". Paeschs Credo lautet: "Man muss lieben, was man macht." Dafür wird er geliebt.

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