Zeitung Heute : Magnet Berlin

In diesem Jahr soll es einen neuen Rekord bei den Besucherzahlen geben. Billigflieger, Ausstellungen und Nachtleben locken auch immer mehr Ausländer an

Sie spazieren um den Reichstag herum, schreiten durch das Brandenburger Tor, und staunen auf dem Pariser Platz. Die Touristen sind aus der Mitte Berlins nicht mehr weg zu denken, in Scharen sehen sie sich die deutsche Hauptstadt an – und es werden immer mehr. „In diesem Jahr steht Berlin ein neues Rekordjahr im Tourismus bevor“, schwärmt Hanns Peter Nerger, Geschäftsführer der Berlin Tourismus Marketing GmbH. Das Ziel: Spätestens 2010 sollen die Besucher in Berlin 15 Millionen Übernachtungen pro Jahr buchen.

In der Tat werden die Zahlen immer besser: Im ersten Halbjahr sind nahezu drei Millionen Touristen nach Berlin gekommen, das sind 9,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Der Chef der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin, Eric Schweitzer, qualifiziert den Tourismus gar inzwischen als wichtigsten Wirtschaftsfaktor für die Stadt. Mit 13,2 Millionen Übernachtungen im Jahr 2004 lag Berlin bereits hinter London (60 Millionen Übernachtungen) und Paris (30 Millionen Übernachtungen) auf Platz drei der meistbesuchten europäischen Metropolen. Die Touristen und Geschäftsleute ließen laut BTM 2004 alles in allem sechs Milliarden Euro in der Stadt.

Die Gründe für das Interesse, das Berlin vor allem in Deutschland, aber zunehmend auch bei den Ausländern weckt, sind vielfältig. Für den Zuwachs der Gäste aus dem Ausland – jeder dritte Gast ist inzwischen international – sind auch die vielen neuen Flugverbindungen der Billigflieger (siehe Kasten) und die neuen Direktverbindungen vom Flughafen Berlin-Tegel nach New York verantwortlich. Die größte ausländische Gruppe von Touristen sind im Juni erstmals die Amerikaner gewesen, direkt danach kamen die Briten, auf Platz drei sind die Besucher aus den Niederlanden.

„Die Flugverbindungen sind bestimmt wichtig und helfen sehr, sie sind aber nicht der einzige Grund für den wachsenden Strom der Besucherzahlen nach Berlin“, sagt Natascha Kompatzki, Sprecherin der BTM.

Berlin sei bei vielen Deutschland-Besuchern einfach zum Pflichtprogramm geworden, sagt sie. Besonders wichtig: Viele Besucher seien jung – 48 Prozent der internationalen Besucher sind unter 35 jahre alt, bei den inländischen Gästen sind es 37 Prozent. Die interessierten sich natürlich besonders für das Nachtleben der Stadt, sagt Kompatzki. Insgesamt seien je nach Zielgruppe verschiedene Merkmale der Stadt verantwortlich für die große Beliebtheit der Metropole: Die Italiener interessierten sich vor allem für das, was Berlin in Lifestyle, Mode, Design und Architektur zu bieten habe, die Briten kämen vor allem wegen der besonderen Geschichte der Stadt, und die Japaner legten vor allem viel Wert auf die kulturelle Vielfalt wie Konzerte und Ausstellungen.

Vor allem Großveranstaltungen hätten die Anziehungskraft der Stadt in den vergangenen Jahren erheblich gesteigert, sagt Kompatzki. Die Leihausstellung aus dem New Yorker Museum of Modern Art (MOMA) in Berlin etwa hat im vergangen Jahr über eine Million Besucher in die Hauptstadt geholt, die Veranstalter der Goya-Ausstellung rechnen mit 200000 Besuchern. „Berichte über diese Ereignisse sind für Berlin als Werbung enorm wichtig“, sagt Kompatzki.

Diesen Vorteil erhoffen sich die Experten auch von der Fußball-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr. „Die WM wird gezielt als Instrument für den Imagetransfer für Berlin genutzt werden“, sagt Gerhard Buchholz, der WM-Beauftragte der BTM. Die Hauptstadt soll in den weltweiten Fernsehübertragungen als „weltoffene Stadt und Sportmetropole mit einer konkurrenzlosen Kultur- und Veranstaltungsvielfalt sowie einem breiten touristischen Angebot“ präsentiert werden.

Damit das Image auch hält, was es verspricht, muss jedoch noch einiges getan werden – denn an Weltoffenheit und Service mangelt es noch in der Hauptstadt, findet Buchholz. Deshalb hat die BTM zusammen mit der IHK, dem Hotel- und Gaststättenverband und dem Senat die Qualitätsoffensive „Service-City Berlin“ gestartet. Taxifahrer können Englischkurse machen, Kellner und andere Angestellte in Hotels und Restaurants können sich weiterbilden, um freundlicher und besser zu bedienen, die Parks sollen öfters gesäubert und die Speisekarten auf Englisch übersetzt werden. „Die Informationen und das Ambiente sollen verbessert werden“, wünscht sich Buchholz.

Neben den Freizeittouristen soll Berlin künftig aber auch mehr Dienstreisende anziehen – Kongressteilnehmer und Messebesucher sind nämlich zahlungskräftige Gäste. Im vergangen Jahr reisten 6,2 Millionen Teilnehmer nach Berlin aufgrund solcher Veranstaltungen. Weltweit liegt Berlin inzwischen auf Platz bei den wichtigstsen Kongressstädten, hinter Barcelona, Wien und Singapur. Weitere Hoffnung: BTM-Chef Nerger will sich jetzt vor allem die Tagesgäste vornehmen – und sie überreden, noch etwas länger in der Hauptstadt zu bleiben.

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