Zeitung Heute : Magritte in Havanna

Fernando Perez weiß die Ehre zu schätzen.Sein Film ist der einzige, der im vorigen Jahr in Kuba realisiert werden konnte: "Ich fühle mich privilegiert!" Daß "La Vida es silbar" nun auf den Festivals herumgereicht wird, ergibt sich durch diesen Umstand wie von selbst, verdient hätte er es allerdings auch ohne diesen besonderen Status.An der bloßen Abbildung von Realität ist Perez nicht interessiert, seine Filme wollen vielschichtiger sein und beziehen in die Beschreibung des Alltags Elemente des Surrealismus ein."Mein Traum war es, einen Film zu machen, als hätte Magritte seine Bilder im heutigen Havanna gemalt."

So muß der Betrachter also auf der Hut sein.Metaphern wollen gedeutet sein, aber kommt man ihnen auch auf die richtige Spur, ohne das Leben in Havanna zu kennen? Wenn Menschen in Ohnmacht fallen, sobald sie die Wörter "Freiheit" oder "Gleichheit" hören, liegt die Interpretation auf der Hand, am Ende des Jahrhunderts kann niemand mehr an die Verwirklichung dieser Werte glauben, sie bleiben Utopie.Und wenn sich der Film nun mit drei unterschiedlichen Erzählsträngen auf die Suche nach glücklichen Menschen macht und am Ende resigniert oder die Antwort in der Schwebe hält, mag auch das einleuchten, obwohl das Glück der drei Hauptfiguren zum Greifen nahe ist.Sie sind nicht fähig, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, ihre Vergangenheit, oder doch besser: die Vergangenheit hat sie traumatisiert.

Alle drei - eine Tänzerin, ein Musiker und eine Sozialarbeiterin - wuchsen im Waisenhaus auf, aus verschiedenen Gründen von den Eltern verlassen und als Findelkinder abgegeben oder, wie dem Musiker gesagt wurde, weil er sich nicht erwartungsgemäß entwickelt hat.Seine Mutter trägt den Namen Cuba! Mit solcher Hypothek mit dem Leben konfrontiert, ist das Versagen programmiert.Und dennoch: Perez, der auch das Drehbuch geschrieben hat, plädiert dafür, sich gegen das Schicksal zur Wehr zu setzen, sich am Leben zu freuen, zu lieben, zu tanzen oder nur ganz einfach zu pfeifen.Siehe Titel!

Sonnabend 19.30 Uhr (Delphi), Sonntag 10 Uhr (Arsenal), 14.30 Uhr (Akademie).

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