MaireWERT : Die Apps der zweiten Generation

Christophe F. Maire

Bekanntlich werden Smartphones ja nicht immer zu sinnvollen Zwecken eingesetzt. Man denke dabei zum Beispiel an überteuerte Spiele wie „Candy Crush“ oder „Angry Birds“, die das Spielcasino in die Hosentasche der Teenager gebracht haben – ein Zeitvertreib ohne besonderen Nutzen. Andererseits können Smartphones uns aber auch dabei helfen, den wichtigsten Teil unseres Lebens zu verbessern: die Gesundheit.

Apps wie „Fitbit“ aus den USA, „Withings“ aus Frankreich oder „Runtastic“ aus Österreich, gerade vom Springer-Verlag gekauft, sagen mir, wie viele Stunden ich laufe, renne oder schlafe, sie zeigen mir, wie fit ich wirklich bin. Diese Apps gehören zur ersten Generation, ich nenne sie gerne „Vanity-Apps“. Entwickelt wurden sie von gesunden Menschen für gesunde Menschen, die noch gesünder leben wollen. Hauptsächlich geht es darum, das Aktivitätslevel der Menschen zu messen. Sensoren am Arm oder direkt im Handy zeichnen über eine längere Zeit hinweg die Bewegungsmuster des Sportlers auf.

Nach diesen ersten Lifestyle-Produkten gibt es nun eine zweite Generation von sogenannten „Med-Tech-Apps“, die dem Anspruch, tatsächlich gesundheitliche Probleme zu lösen, ein Stück näher kommen.

Da ist zum Beispiel „Clue“, eine neue Fruchtbarkeits-App aus Berlin. Praktisch für alle Frauen, die wissen möchten, zu welchem Zeitpunkt sie schwanger werden können. Für Frauen – und auch Männer – ist das ein relevantes Thema, weltweit. Auch deswegen ist die Nachfrage nach solchen Apps enorm. Das chinesische Pendant „Dayima“ nutzen bereits mehr als 65 Millionen Frauen. Diese Apps ermöglichen ihnen, den eigenen Körper besser zu verstehen und zu kontrollieren.

Ein weiteres Beispiel für diesen neuen Trend ist „Goderma“ aus Berlin, mithilfe derer man sich eine professionelle Meinung zu einer (vermuteten) Hautkrankheit einholen kann. Der anonyme Anwender macht ein Foto der betroffenen Stelle und ein Arzt sagt, um was es sich handeln könnte. Da in Praxen die entsprechende Diagnostik schon jetzt größtenteils über Fotos funktioniert, ist solch eine App eine wertvolle zweite Meinung, und sie geht schnell.

In Schwellenländern ist die ärztliche Versorgung nicht besonders gut, Smartphones hingegen besitzen viele. In Indonesien zum Beispiel hat jeder vierte Bewohner eines, auf 10 000 Einwohner kommt jedoch gerade mal ein Arzt. Und selbst wenn es ausreichend Ärzte gibt, ist ein Arztbesuch „nur“ eine Momentaufnahme. Das Smartphone tragen die Menschen so gut wie immer bei sich.

In Industrieländern sind solche Apps daher auch für die Heimpflege interessant. Aus den USA kommt von Propeller Health nun ein Smartphone-Zubehör, das automatisch misst, wie oft ein Asthmatiker sein Spray verwendet. Andere Apps wie „Glooko“ helfen Diabetikern, ihren Zuckerspiegel zu verwalten.

Natürlich stehen wir noch ganz am Anfang einer langen Entwicklung, wichtige Fragen wie die der Datenhoheit müssen noch geklärt werden, etwa: Wem gehören die Daten eigentlich, dem Patienten oder seinem Arzt?

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