Zeitung Heute : Majestäten

Ute Scheub

Setzst du dir gerne eine Königskrone auf den Kopf und stellst dir vor, welche Lehrer du außer Landes jagen würdest? In der Geschichte gab es viele Prinzen und auch einige Prinzessinnen, die schon als Kinder einen Thron bestiegen. Meistens, weil ihr Vater oder ihre Mutter gestorben waren. Leider durften diese Kinder nicht alleine regieren - sonst hätten sie wahrscheinlich überall Spielplätze errichtet oder ihre Schlösser in Kaninchenställe verwandelt. Ihnen wurden Berater an die Seite gestellt. Vorhang auf für die Königsparade!

Otto II., Sohn von Kaiser Otto dem Großen, war sechs, als er im Jahre 961 in Aachen zum König gekrönt wurde, und zwölf, als er in Rom aus den Händen des Papstes die Kaiserkrone erhielt. Nun war ein Zwölfjähriger neben dem Papst der mächtigste Mann in Europa. Sein Reich umfasste in etwa das heutige Deutschland, Frankreich und Italien. Wenn er sich aufregte, lief sein Gesicht zornesrot an, was ihm den Spitznamen "Otto der Rote" eintrug.

Karl V., genannt der Hässliche, wurde im Jahre 1517 mit 17 Jahren zum König von Spanien gekrönt. Seine Mutter, Johanna die Wahnsinnige, hielt man auf der Festung Tordesillas gefangen, weil sie nach dem Tod ihres Mannes verrückt geworden war. Karl war schmächtig und kränklich, er konnte nur mit offenem Mund atmen und kaum richtig reden. Spanisch sprach er sowieso nicht, denn er war in den Niederlanden aufgewachsen. Dennoch wurde Karl mit 19 Jahren in Rom zum Kaiser gekrönt.

Iwan der Schreckliche: Angeblich ging am Tage seiner Geburt im Jahre 1530 ein fürchterliches Gewitter über dem ganzen Land nieder und kündete vom kommenden Unheil. Der kleine Iwan war ein normales Kind. Doch als er drei war, starb sein Vater, der Großfürst von Moskau. Iwan wurde nun selbst Großfürst, aber keiner kümmerte sich um ihn. Die Adligen, die für ihn die Regierungsgeschäfte leiteten, wollten selber herrschen. Sie demütigten ihn, wo sie konnten.

Iwan rächte sich grausam. Mit 14 ließ er Menschen schlagen, die ihm nicht gefielen, mit 15 ließ er seine Feinde umbringen oder in die Verbannung schicken. Mit 17 wurde er der erste Zar Russlands. Er führte viele Kriege und schuf auf diese Weise das russische Reich.

Ludwig XIII., der Gestresste, wurde 1601 in Frankreich geboren und hatte ein furchtbar anstrengendes Leben. Er musste alles viel früher können als andere Kinder. Mit knapp anderthalb, notierte sein Leibarzt, "spielt er Violine und singt dazu" - wahrscheinlich ein fürchterliches Gekrächze. Mit knapp zwei Jahren spielte er Schlagball und Federball. Obwohl er noch nicht einmal sprechen konnte, ließ die Königin ihn an ihrer Tafel sitzen. Wenn er nicht aß oder laut schrie, bekam er Hiebe.

Er war noch nicht einmal dreieinhalb, als man ihm das Lesen beibrachte. Mit vier lernte er seine ersten lateinischen Wörter und spielte Karten, mit sechs lernte er Schach. "Sie sind groß, Sie sind kein Kind mehr", hörte der noch nicht mal Achtjährige. Seine Lehrmeister brachten ihm das Reiten und den Umgang mit Waffen bei.

Als er noch nicht einmal neun ist, wird sein Vater ermordet. Ludwig ist Thronfolger. Er gilt zwar als erwachsen, aber dennoch führt seine Mutter die Regierungsgeschäfte. Als der König 16 Jahre alt ist, jagt er sie davon. Danach überlässt er das Regieren weitgehend seinem ersten Minister, dem Kardinal Richelieu. Seine Majestät hat auf den ganzen Stress keine Lust mehr.

Willst du immer noch König sein?

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