MALEREI„Aufwachen“ von Clemens Krauss : Alle meine Freunde

Christina Tilmann
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Normalerweise macht man das, bevor man auszieht: noch einmal alle Freunde einladen, und sie dürfen die Wände bemalen – wird ja doch alles neu gestrichen. Clemens Krauss geht anders vor: Er lädt zum Einzug ein. Und hat die Wände schon vorher bemalt.

Mit seinen in lockerer Folge auf die Galeriewände getupften Figurenfragmenten ist der Österreicher erstmals 2006 in der DNA-Galerie aufgefallen. Die Ausstellung „My Space“ machte den Galerieraum zu einer einzigen großen Leinwand – nach Ende der Ausstellung wurden die mit dicker Farbe auf die Wand aufgebrachten Figuren, zumeist Jugendliche in T-Shirt und Jeans, abgenommen, das Werk zerstört. Deutlicher kann man dem Markt, der sich gerade auf Malerei kapriziert hatte, nicht Paroli bieten. Die Erinnerung wirkt dafür umso stärker.

Seitdem hat es weitere Folgen des „Körperkörper-Problems“, wie Krauss seine Erforschungen mit Farben und Wand nennt, gegeben: in Heidelberg, Gent, Augsburg, Rio und der Berlinischen Galerie. Nun ist das Haus am Waldsee aufgesprungen, das sich, seit Katja Blomberg die Leitung übernahm, konsequent um in Berlin lebende Künstler kümmert – Blomberg hatte Krauss 2005 entdeckt.

Der Clou dabei: Krauss, der seine Arbeiten auch als Erforschungen des sozialen Raums, des Grenzbereichs zwischen Innen und Außen, Privat und Öffentlich begreift, wird während der zweimonatigen Laufzeit ins Obergeschoss der Grunewald-Villa ziehen, mit seinem ganzen Hausstand. An Geselligkeit wird es nicht fehlen: Besucher hat er sich schon an die Wand gemalt. Christina Tilmann

Haus am Waldsee, Fr 6.3. bis So 26.4.,

tgl. 11-18 Uhr, 5 €, erm. 3 €

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