MALEREI„Rainer Fetting. Berlin“ : Was waren wir wild

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Wie bunt Berlin sein kann, zeigt nicht nur der Frühling. Sondern auch der Maler Rainer Fetting. Seine Stadt leuchtet, selbst als sie noch geteilt war. Die „Gelbe Mauer“ von 1977 (Foto) strahlt golden in die lilafarbene Nacht. In „Moritzplatz“ von 1975 blickt der Künstler von seinem Atelierfenster gen Osten. Der Fernsehturm zeichnet sich vor einem freundlichen rosa-hellblauen Himmel ab. Am Moritzplatz war es auch, wo Fetting mit anderen Künstlern der Westberliner Szene – Salomé, Helmut Middendorf oder Bernd Zimmer – die sogenannte Selbsthilfegalerie eröffnete. Hier begründeten sie ihren Ruf als Junge Wilde. Westberlin war die Stadt der vielfältigen Lebensentwürfe.

Das schlägt sich bei Fetting, geboren 1949, nicht nur in kraftvollen Farben, sondern auch in den Motiven nieder: Im Prinzenbad treffen sich nackte, rote Leiber, Gitarristen toben im grellen Scheinwerferlicht auf der Bühne, die Menschen in den Porträts und Selbstbildnissen dieser Zeit können sich zwischen Mann- und Frau-Sein nicht entscheiden. Die Berlinische Galerie zeigt nun diese Bilder in der Ausstellung „Rainer Fetting. Berlin“, sie huldigt der Stadt wie auch dem Künstler. 40 Arbeiten aus vier Jahrzehnten sind zu sehen. Der Maler zog Anfang der achtziger Jahre zwar nach New York, kam aber in den neunziger Jahren an die Spree zurück. Die Aufbruchstimmung der vereinten Stadt vibriert auf der Leinwand nun in getupften, gestrichelten, tropfenden Ölfarben. Überall ragen Kräne empor. Giebel überlagern sich. Im Rückblick erweist sich der international bekannte Maler als aufmerksamer Dokumentarist der sich wandelnden Mauer- und Hauptstadt und ihrer Bewohner. Anna Pataczek

Berlinische Galerie, Fr 15.4. bis Mo 12.9.,

Mi-Mo 10-18 Uhr, 8 €, erm. 5 €

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