Zeitung Heute : Manche Eltern und Schüler sind beratungsresistent

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Betrifft: „Abitur-Versager kündigen sich früh an" vom 14. Juni 2002

Die Crux vieler Gesamtschulen ist der sehr geringe Anteil an ursprünglich, d.h. von den Grundschulen gymnasialempfohlenen Schülern. Selbstverständlich finden rechtzeitig Beratungen statt, Schülern, die eindeutige sprachliche und intellektuelle Grenzen aufweisen, zu empfehlen, sich um einen beruflichen Ausbildungsplatz zu bemühen, statt in Wiederholungsrunden doch irgendwie das Abitur zu versuchen, was angesichts der Arbeitsplatz- und Ausbildungssituation in der Wirtschaft oft etwas naiv oder gar arrogant erscheint. Leider erweisen sich viele Schüler und Eltern als „beratungsresistent“. Wider alle Argumente glauben manche Schüler, durch hartnäckiges Verweilen zum Ziel zu gelangen. Die Übergangs- und Wiederholungsmöglichkeiten in der Oberstufe sind zudem sehr weit gefasst, so dass es einige zu einer beträchtlichen Verweildauer an der Schule bringen, um dann, wenn überhaupt, mit 22 Jahren ein mäßiges Abitur abzulegen.

Dass diese an der unteren Rankingskala rangierenden Schulen auf Grund ihrer bildungsferneren, im Schulischen leistungsschwächeren Klientel einen schlechteren Abiturdurchschnitt und eine höhere Durchfallquote haben, liegt auf der Hand und wirft eben nicht auf diese Schulen ein schlechtes Licht, sondern zeigt gerade, dass auch dort die Anforderungen nicht zwingend niedrig gehängt werden und dass das Abitur nicht einfach „nachgeworfen" wird.

Fazit: Eine Schule mit schwächeren Schülern kann in unserem - verglichen mit skandinavischen Schulen - personell und auch materiell defizitär ausgestatteten Schulsystem auch bei überwiegend engagierten und leistungsorientierten Lehrern eben nicht Spitze sein. Auch ein Dirigent wie Abbado kann ein schlecht vorgebildetes und nur mäßig leistungsbereites und begrenzt fähiges Orchester nicht zu Spitzenleistungen führen.

Adelheid Mallach (Studienrätin)

Berlin-Reinickendorf

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