Zeitung Heute : Manche mögen’s kalt

Viele Orchideen fühlen sich bei Temperaturen von 13 bis 16 Grad besonders wohl 

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Schönheit als Alleinstellungsmerkmal. Orchideen sind ideal für kühle Räume, zu denen vor allem Treppenhäuser, Veranden oder...

Auch in den Wintermonaten bieten Gartencenter eine große Auswahl blühender Orchideen in Blumentöpfen oder anderen Pflanzgefäßen an. Damit sie gesund bleiben und jedes Jahr viele Blüten bilden, müssen ihnen optimale Kulturbedingungen geboten werden. Die weit verbreitete Meinung, dass tropische Orchideen immer warm stehen müssen, kann zu Misserfolgen führen. Es gibt zahlreiche Arten und Sorten, die im Winter lieber kühl stehen und dann nicht nur länger blühen, sondern mit steigender Sonne im Frühjahr auch besser wachsen. Die Auswahl ist reich und je nach Größe der Pflanzen können sie in kühlen Treppenhäusern und Wintergärten, aber auch auf dem Fensterbrett kultiviert werden.

Sehr reichhaltig ist das Angebot an Cymbidium-Hybriden, die durch Kreuzung verschiedener Wildarten entstanden sind. Die Züchtung begann 1889 und brachte inzwischen viele prachtvolle Sorten mit langen Blütenrispen in den schönsten Farben hervor.

Neben stark wachsenden, hohen Sorten, die ideale Pflanzen für Wintergärten oder Treppenhäuser sind, kamen in den letzten Jahren immer mehr klein bleibende Züchtungen auf den Markt, die sich gut für das Fensterbrett eignen. Sie sind als Minicymbidium, also klein bleibende Topfpflanzen im Handel erhältlich.

Durch Einkreuzen von Cymbidium pumilum und anderen zierlichen Arten entstanden in den letzten zwanzig bis dreißig Jahren zahlreiche hübsche Sorten, die sich durch schwächeren Wuchs und geringen Platzbedarf auszeichnen. Sie haben sich inzwischen im Topfpflanzenangebot der Orchideen einen wichtigen Platz erobert.

Weitere Orchideen für kühle Räume finden wir bei der Gattung Odontoglossum, von der vor allem zwei Arten zu empfehlen sind. Odontoglossum crispum bildet acht bis zehn Zentimeter Durchmesser messende, weiße Blüten mit gelb-rotem Fleck auf der Lippe und Odontoglossum rossii (syn. Lemboglossum rossii) hat etwas kleinere, aber weiß und kastanienbraun gefleckte Blüten mit rosafarbener Lippe.

Durch Kreuzung von Odontoglossum mit anderen Orchideengattungen entstanden unter anderem zwei robuste Hybriden, die im Handel als Odontioda (mit roten Cochlioda gekreuzt) und Odontocidium (mit Oncidium gekreuzt) erhältlich sind. Sie zeichnen sich durch farbenprächtige, schön gezeichnete Blüten aus, die sich an einer langen Rispe entfalten.

Lange Blütenrispen sind auch das Markenzeichen vieler Oncidium-Arten. Vor allem Oncidium flexuosum und Oncidium splendidum werden als pflegeleichte Pflanzen mit gelben, braun gezeichneten Blüten im Handel angeboten.

Unter den Frauenschuh-Arten (Paphiopedilum) gibt es einige Arten, die im Winter bevorzugt kühl stehen wollen. Hilfreich ist dabei die Faustregel, dass Arten mit grünen Blättern helle und kühle Standorte bevorzugen und Arten mit stark gezeichneten Blättern höhere Temperaturen und mehr Schatten benötigen. Als Klienten für kühle Räume gelten Paphiopedilum callosum, Paphiopedilum fairieanum, Paphiopedilum insigne oder Paphiopedilum villosum. Da Frauenschuh-Arten klein bleiben, sind sie ideale Pflanzen für das Fensterbrett.

Schließlich soll die Gattung Zygopetalum nicht unerwähnt bleiben, von denen einige seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts als geschätzte Topfpflanzen gelten. Das gilt besonders für Zygopetalum crinitum, die acht Zentimeter große, grünliche, rotbraun gefleckte Blüten an 60 Zentimeter langen Blütenständen bildet. Ähnlich ist auch Zygopetalum mackay, nur sind die Blüten noch etwas größer. Beiden gemeinsam ist die weiße Lippe mit violetten Nerven und die Blütezeit von Oktober bis Februar.

Alle diese genannten Orchideen sind besonders ideal für kühle Räume, zu denen vor allem Treppenhäuser, Veranden oder Wintergärten gehören.

Damit sich diese Orchideen wohlfühlen, sollten sie bis etwa März tagsüber bei Temperaturen zwischen 13 und 16 Grad Celsius stehen. Nachts können die Temperaturen auch bis 10 Grad Celsius absinken. Steigen die Werte in der sich daran anschließenden Wachstumsphase höher, muss man bei einer Kultur in Räumen für frische Luft sorgen. Wassergaben erfolgen bei kühlem Stand sparsam und kurzzeitige Trockenheit des Substrates ist besser als zu viel Wasser. Im Sommer sind für diese sogenannten Kalthausorchideen Temperaturen zwischen 16 und 21 Grad Celsius optimal, obwohl in dieser Zeit auch höhere Werte von den Pflanzen schadlos überstanden werden. Günstig ist, die Pflanzen ab Mitte Mai an einen leicht schattigen Platz in den Garten zu stellen. Solche Plätze bieten sich im lichten Schatten der Obstbäume oder Sträucher an, wo die Pflanzen ausreichend Licht bekommen, aber nicht der prallen Sonne ausgesetzt sind. In dieser Zeit wird reichlich gegossen, damit der Wurzelballen immer gleichmäßig feucht bleibt. Für die ausgewogene Ernährung empfiehlt sich während der Vegetationszeit die regelmäßige Gabe eines organisch-mineralischen Mischdüngers alle zwei Wochen, wogegen mit beginnender Ruhezeit ab August das Düngen grundsätzlich unterbleiben muss. Die Pflanzen erhalten einen vollsonnigen Platz und werden weniger gegossen, um die Knospenbildung anzuregen.

Das Düngen wird nun ebenfalls eingestellt.

Nach drei bis fünf Jahren ist der Topf in der Regel zu klein und ein Verpflanzen nötig. Die neuen Bulben, so werden die oberirdischen Speicherorgane mit den Blättern, aus denen Blütenstände und Neutriebe entspringen, genannt, wachsen dann manchmal bereits über den Topfrand. Der beste Zeitpunkt zum Umpflanzen ist der Beginn der Wachstumsperiode, erkennbar an der einsetzenden Bildung von Wurzeln und Trieben. Im Allgemeinen liegt dieser Zeitpunkt ab Ende Januar, kann sich aber auch artbedingt etwas hinauszögern. Beim Verpflanzen schneidet man die alten Bulben ab und setzt die jüngeren in einen Topf mit lockerem Substrat. Empfehlenswert ist eine spezielle Mischung, in der Buchenlaub, Kiefernrinde, Torfmoos und lehmige Erde enthalten ist. Am besten besorgt man sich das Orchideensubstrat in einem Gartencenter oder einer Orchideengärtnerei.

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