Zeitung Heute : „Manchmal reichen fünf Minuten“

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Dietmar Ohm ist Klinischer Psychologe und Vorsitzender der Psychologischen Fachgruppe Entspannungsverfahren im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP). Er ist Autor der Ratgeber „Stressfrei durch Progressive Relaxation“ und „Progressive Relaxation für Kids“.

Herr Ohm, es gibt rund 40 Entspannungstechniken. In Mode sind fernöstliche Verfahren. Lassen diese sich ohne Weiteres in unseren Kulturkreis übertragen und so schnell konsumieren wie ein exotisches Essen?

Das wäre fraglich. Diese Methoden sind schließlich eingebunden und entstanden in einem für uns meist fremden weltanschaulichreligiösen System. Dabei ist zum Beispiel Yoga durchaus eine sehr gute Sache, sofern es fachlich kompetent angeboten wird. Yoga ist aber kein reines Entspannungsverfahren, sondern auch eine Körperübung. Generell sollte man wissen, dass nur wenige Verfahren wissenschaftlich abgesichert sind in dem Sinn, dass kontrollierte Therapie-Effekt-Studien vorliegen, positive Wirkungen nachgewiesen sind.

Für welche Techniken gilt das?

Die Progressive Relaxation ist weltweit am besten untersucht. Für das Autogene Training liegen ebenfalls überzeugende wissenschaftliche Belege vor. Nach diesen beiden Verfahren wird es mit der wissenschaftlichen Absicherung schon deutlich dünner. Aber auch für die Hypnose und mit etwas Abstand für Yoga und Biofeedback gibt es Hinweise auf heilsame Wirkungen.

Gibt es Techniken für eher bedächtige Menschen und solche für nervöse?

Häufig bringen sehr angespannte, belastete oder von Schmerzen geplagte Menschen nicht die nötige Geduld mit, um etwa Autogenes Trainig zu erlernen. Umgekehrt kann es sein, dass Menschen sich sehr gut etwas vorstellen und gut konzentrieren können. Ihnen kann das Autogene Training näher sein. Zudem kostet es weniger Zeit. Für Progressive Relaxation muss man 15-20 Minuten für eine Übung ansetzen, beim Autogenen Training reichen 5-10 Minuten .

Wie und wo findet man das für einen selber optimale Verfahren?

Am einfachsten ist es an Volkshochschulen, die in aller Regel Autogenes Training und Progressive Relaxation anbieten, oft auch Yoga.

Die Fragen stellte Walter Schmidt

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