Zeitung Heute : Maoa

Krokodilfleisch mit sehr viel Chili

Elisabeth Binder

Maoa, Leipziger Platz 8, Berlin-Mitte, Telefon: (030) 22 48 80 87, geöffnet täglich von 11 Uhr 30 bis 1 Uhr.

Der Name des Restaurants führt etwas in die Irre: Maoa steht kurz für „Modern Art of Asia“. Gefragt ist aber tatsächlich die moderne Kochkunst des Gastes, in diesem speziellen Fall also die der Kritikerin, was am Ende ja nur in Selbstkritik ausarten kann. Das Ambiente immerhin ist sehr schön. Viele Kerzen tauchen die dunklen Tische in mildes Licht. Auf der Toilette liest derweil ein Mann mit tiefer Stimme aus Ken Follets „Die Säulen der Erde“ vor.

Es gibt erstaunlich viel Personal. Das ist aber auch nötig, denn das ungewöhnliche Konzept stellt den Einsteiger vor viele Rätsel.

Dominiert wird der mittlere Raum des sehr geräumigen Lokals von einem riesigen Büfett, dem „Foodmarkt“. Am einen Ende stehen einige Stapel mit mittelgroßen, weißen Porzellanschüsseln. Da nimmt man sich eine herunter und sammelt Gemüse, Gewürze, Fleisch und Fisch darin. Am Ende gibt man die Schüssel beim Koch ab, zusammen mit einem schwarzen Brett, auf dem ein Kellner mit silberner Kreide eine vorab ausgewählte Marinade notiert hat. Das wird dann alles zusammen von den Köchen gegart und am Ende mit Reis serviert. Man hat die Wahl zwischen einmaliger und unendlicher Vielfalt, die in der Dinner-Variante 12,90 beziehungsweise 19,90 Euro kosten und als Business Menü 8,50 beziehungsweise 11,50 Euro. Einfacher ist der Umgang mit der erstaunlich vorbildlichen, leider nicht unbedingt preiswerten Auswahl an offenen Weinen. Wir widerlegten die Mär, dass zu asiatischer Küche nur australische Weine wirklich gut passen mit einem Geldermann-Sekt (0,1 l = 5,70 Euro), einem fruchtig ausgewogenen Spätburgunder vom badischen Weingut Kiefer (0,1 l = 3 Euro) und einem kräftigeren Pfälzer Blaue Trauben (0,1 l = 2,10 Euro).

Bevor wir zum asiatischen Abenteuer am Büfett aufbrachen, gab es von der Vorspeisenkarte eine zarte gebratene Geflügelleber in Balsamico-Koriander-Marinade, die auf wuchtige bunte Salatblätter gebettet war (6,90 Euro) und, als Einstieg für die unendliche Vielfalt, eine zwar würzige, aber in diesem Kontext doch erstaunlich biedere Rinderkraftbrühe mit Eierstichwürfeln. Dazu weiches Gewürzbrot mit Chili-Mango-Dip. Für den ersten Gang notierte der nette, wenngleich nicht übermäßig aufmerksame Kellner eine Ingwer-Orange-Marinade mit Sesam. Die Stimme der Vernunft blieb erst mal am Tisch sitzen. Was eine Art Erklärung sein könnte für diese erste Kreation: etwas Blattspinat, zwei Löffel vom grünen Spargel, bunte Paprikastreifen, reichlich frischer Koriander, reichlich grüne und rote Chili-Scheiben, die Pute verschmäht, das Lamm, das Rind auch, stattdessen einige Scheiben vom Krokodil darauf gehäuft und diese Kombination entschlossen dem Koch in die Hand gedrückt.

Das Krokodil riss später sein Maul weit auf und biss kräftig in Zunge und Gaumen, so empört war es über die Überdosis Chili. So von fern erinnerte mich das an eine Veranstaltung, die ich unter dem Titel „Mongolian Barbecue“ kenne und die nach dem gleichen Prinzip funktioniert.

Zum zweiten Gang kam die Stimme der Vernunft mit und mischte Straußenfleisch mit Süßkartoffeln, Spinat und einer Kurkuma-Senf-Marinade zusammen. In meine nächste Schüssel kamen einige Scheiben Kängurufleisch mit Sojasprossen, Brokkoli, Kaiserschoten, Ingwer, vorsichtshalber nur rote Chilischoten und dazu ein Curry-Ananas-Rahm mit Koriander. Ich kam mir vor wie ein Maler, der Farbbeutel auf eine Leinwand wirft. Zum Abschluss wählte ich die Hausmarinade namens Maoa Satay, die aus Erdnusspaste, süßem Chili, Zitronensaft und Gewürzen besteht. Dazu gab’s diesmal Streifen vom Hai, natürlich Chili rot und grün, Ingwer, und wegen der Gesundheit unter vielem anderen Blumenkohl. Zur Belohnung gab es ein pikantes Curry-Orangen-Eis mit Biscuits in der Konsistenz von hauchzarten Mutzen-Mandeln, dazu exotisches Obst (5,50 Euro).

P.S. Am nächsten Tag hatte ich Bauchweh, was unter den gegebenen Umständen nicht dem Restaurant anzulasten ist.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben