Margot Käßmann : So wird das gemacht

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Aus gegebenem Anlass sei noch einmal an Otto Wiesheu erinnert. Wiesheu ist inzwischen 65 Jahre alt. Er hat auch vier Kinder. Wiesheu ist Politiker der CSU. Von 1975 bis 2005 gehörte Wiesheu dem Parteipräsidium der CSU an, dem Landesvorstand und dem Bezirksvorstand der CSU Oberbayern. Ununterbrochen, dass das anders gewesen wäre, ist nicht bekannt. Von 1974 bis 2005 war Wiesheu Mitglied des Bayerischen Landtages, auch ununterbrochen. Im April 1983 wurde Otto Wiesheu Generalsekretär der CSU. Das ist schon ein Amt von gehöriger Tragweite und mit einiger Macht. Am 29. Oktober 1983 verursachte Otto Wiesheu auf der Autobahn München–Nürnberg einen schweren Verkehrsunfall. Wiesheu hatte zuvor nicht unerheblich getrunken und stand mit 1,75 Promille unter Alkoholeinfluss, das ist noch ein bisschen mehr als 1,54. Bei dem Unfall wurden eine Person getötet und eine weitere Person schwer verletzt. Im November 1983 trat Otto Wiesheu von seinem Amt als Generalsekretär zurück. Er blieb im CSU-Präsidium. Er blieb im Landtag. Er wurde dann bald Geschäftsführer der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung.

Den Gesetzen folgend hob der Bayerische Landtag Wiesheus Immunität auf. Das Amtsgericht München verurteilte Wiesheu im Oktober 1984 zur einer Freiheitsstrafe von 13 Monaten ohne Bewährung. Das Landgericht München I kassierte das Urteil und verhängte 1985 in zweiter Instanz eine Freiheitsstrafe von zwölf Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde, sowie zu einer Geldstrafe von 20 000 DM. Das sind in heutiger Währung circa 10 000 Euro. Das alles ist abgebüsst und vergessen. 1990 nahm Wiesheu legitim wieder seine Karriere auf und wurde als Staatssekretär für Unterricht, Kultur, Wissenschaft und Kunst Mitglied der Bayerischen Staatsregierung. 1993 wurde er zum Bayerischen Staatsminister für Wirtschaft, Verkehr (!) und Technologie ernannt. 2005 nahm er an den Verhandlungen zur großen Koalition teil und zwar zuständig für Verkehrspolitik. 2005 kehrte er der Politik den Rücken und wechselte in den Vorstand der Deutschen Bahn AG, wo er das Ressort Wirtschaft und Politik übernahm. Schauen Sie, Frau Käßmann, so wird das unter Männern gemacht. Bischöfin und Chefin der evangelischen Kirche Margot Käßmann überfuhr mit 1,54 Promille eine rote Ampel, wobei gottlob niemand zu Schaden kam. Sie reagierte nach Politikermanier und zeigte sich erschrocken über ihren Fehler. Einen Tag später besann sie sich und reagierte angemessen. Helmut Schümann

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