Markus Schächter : „Unser Angebot gehört zu den besten der Welt“

Der ZDF-Chef sieht eindeutige Unterschiede zum Privat-TV

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Herr Schächter, eine Spar- und Kürzungswelle geht durch Deutschland und das ZDF will trotzdem mehr Geld vom Gebührenzahler. Wie passt das zusammen?



Die Spar- und Kürzungswelle geht schon seit geraumer Zeit gerade auch durch das ZDF. Kein System hat mehr gespart als das ZDF. Allein im Personalbereich haben wir in den zurückliegenden Jahren über tausend Stellen – also fast ein Viertel unseres Bestandes – streichen müssen und mehrere hundert Millionen Euro eingespart.

Nie gab es mehr öffentlich-rechtliches Fernsehprogramm als heute. Warum dieser Drang nach Expansion?

Einspruch. Das ZDF ist der einzige Einkanalsender in Europa. Dass wir mit Partnerkanälen unser Angebot ausgeweitet haben, war politisch gewollt und hat gesellschaftlich wichtige Akzente gesetzt. Das gilt für den Kinderkanal, für Phoenix und für den europäischen Kulturkanal Arte. Da sich die Anzahl der Privatkanäle vervielfacht hat, wäre das öffentlich-rechtliche Fernsehen an den Rand der Wahrnehmung gedrängt worden, wenn es nicht entsprechend reagiert hätte.

Was bringt Sie zu der Überzeugung, dass das ZDF nur dann als gebührenfinanzierter Fernsehsender überleben wird, wenn es Jahr für Jahr unter den drei quotenstärksten Programmen auftaucht?

Wer aus Gebühren unabhängig finanziert werden will, braucht die Akzeptanz der Gebührenzahler. Dazu gehört zwingend ein Programm, das erfolgreich auf den Säulen Information, Bildung und Unterhaltung gründet und deshalb von der Mehrheit der Zuschauer angenommen wird. Dies schafft die Akzeptanz und Solidarität der Gebührenzahler auch für Minderheitenangebote, die in einem öffentlich-rechtlichen Programm unverzichtbar sind.

Das ZDF ist so quotengeil wie die ARD, und beide zusammen sind so quotengeil wie die Privatsender. Richtig?

Natürlich nicht. Fernsehen ist ein Massenmedium. Wer hier eine Rolle spielen will, braucht die große Zahl der Zuschauer. Das gilt für alle Sender, öffentlich-rechtliche wie private. Der Unterschied zwischen uns und den Privatsendern wird deutlich an einem Sendetag wie dem kommenden Dienstag. Wir senden von 20 Uhr 15 an „Die große Flucht“, danach das „heute-journal“ und im Anschluss die „37° -Grad“-Folge „Im Schnäppchenfieber“. Das ist mehr Informationsprogramm an einem Abend als bei RTL in der ganzen Woche.

Es gibt ein wachsendes Unbehagen, ob die öffentlich-rechtlichen Sender ihrem Auftrag noch gerecht werden. Erreicht Sie dieses Unbehagen noch, oder sagen Sie längst: Was interessiert mich die Meinung von ein paar Leuten, wenn es um Millionen Zuschauer geht?

Das ist zurzeit kein Angebots-, sondern ein Kommunikationsproblem. Es muss uns gelingen, den Zuschauern zu vermitteln, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehangebot in Deutschland zu den besten in der Welt gehört. Ich habe keinen Zweifel daran, dass sich dann auch die Erkenntnis durchsetzt, dass Qualität ihren Gebührenpreis hat.

Das Gespräch führte Joachim Huber .

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