Martensteins Berlinale (VIII) : Ich sage dazu nur: Wischiwaschi

Die Toiletten sind schmutzig, der Bus von Radio 1 riecht nach Fisch. Wer klug ist, wird jetzt krank. Zeit für Harald Martenstein, noch einmal über asiatische Filme und die Quote zu sinnieren.

Harald Martenstein
Weiß um die Mechanismen des Berlinale-Wettbewerbs: Harald Martenstein.
Weiß um die Mechanismen des Berlinale-Wettbewerbs: Harald Martenstein.Foto: Britta Pedersen/dpa

In „Petting Zoo“ bin ich hineingegangen, weil es eine deutsch-griechisch-amerikanische Koproduktion ist. Das macht neugierig. Außerdem steckt Geld vom Medienboard Berlin-Brandenburg drin, also unsere Steuern. Der Film ist sehr gut. Es geht um eine 17-Jährige, die in Texas ungewollt schwanger wird. Trotz des Themas ist es kein bleischweres Feelbad-Movie. Aber ich fragte mich die ganze Zeit, wieso Berlin und Brandenburg ein Texas-Drama kofinanzieren. Dann trat der Lehrer der 17-Jährigen auf. Er war schwarz, sympathisch und hieß „Mister Brandenburg“. Für so einen Kinomoment zahlt man gerne Steuern. Dafür, dass die beiden Katzen der jungen Frau „Studio“ und „Babelsberg“ heißen, hat das Geld leider nicht gereicht.

Man lernt Englisch bei der Berlinale. In „Love & Mercy“, dem recht guten Film über Brian Wilson, den Chef der „Beachboys“, sagt jemand abfällig: „This is too wischiwaschi.“ Unser schönes Wort „Wischiwaschi“ ist globalisiert! Indien, Jamaika, Dublin – überall Wischiwaschi. Don’t talk so wischiwaschi. Your last column was kinda wischiwaschi, don’t you think so? I hate these wischiwaschimovies.

Endphase des Festivals. Die Toiletten sind schmutzig, der Bus von Radio 1 riecht nach Fisch. Wer klug ist, wird jetzt krank. Und genau in diesem Moment, wo alle schon rammdösig sind, greift Asien an. Der Wettbewerb pfeffert der Jury in den letzten Tagen Beiträge aus Vietnam, Japan und China in die lebenssatten Augen. Es war auch mal ein Nordkoreaner bei der Berlinale, 2004. In einer Kritik stand, der Film sehe aus wie von Leni Riefenstahl gemacht, nur fehle ihm leider die Genialität von Leni Riefenstahl. Ich sage dazu nur: Wischiwaschi.

Apropos Leni Riefenstahl – bei der Pressekonferenz von „Als wir träumten“ spielte wieder die Frauenquote eine Rolle. Eine Frau fragte anklagend, wieso sich zwei deutsche Wettbewerbsfilme mit den Problemen von männlichen Jugendlichen befassen, die weibliche Jugend und deren Probleme seien im Wettbewerb offenbar kein Thema. Das stimmt nicht. In „Als wir träumten“ gibt es eine weibliche Protagonistin. Einer der Jungs verzehrt sich nach ihr, sie aber schläft, wie es im Film heißt, mit allen, nur mit ihm nicht. Als beide sich treffen, sagt sie: „Ich zeig dir was, was nur dir gehört.“ Dann hockt sie sich vor ihm auf den Boden und lässt Wasser. Ob das nun eine starke Frau ist oder eine Jugendliche, die Probleme hat, ist schwer zu entscheiden. Wahrscheinlich trifft beides zu. Politisch korrekter geht es doch gar nicht.

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