Martina Gedeck im Porträt : „Älterwerden bedeutet Reicherwerden“
14.09.2011 12:16 UhrSie gilt als schwierig. Als schwierig bezeichnen Journalisten Menschen, die keine Interviews geben oder, wenn ausnahmsweise doch, vorher Verträge abschließen wollen: Keine Eigen- oder Fremdsilbe erscheint ohne mein Einverständnis! Andererseits: Hat nicht, wer als „wichtigste“ Schauspielerin des Landes gilt, die Pflicht, ein wenig schwierig zu sein? Wichtig – noch so ein Journalistenwort. Warten auf Martina Gedeck. Vokabelprüfung ist eine gute Wartetätigkeit. Schwierig. Wichtig. Wie viele Adjektive es doch gibt, die mehr verstellen als erhellen.
Sie kam von der Straße herein wie jede andere berufstätige Frau zur Feierabendstunde.
Offener heller Trenchcoat, leichte Eile und die Spuren eines Tages im Blick – als sei sie alles, nur nicht „wichtig“. Allerdings dürfte es für niemanden leicht sein, in diesem Gründerzeit-Treppenhaus aufzufallen. Seine Pracht macht jeden klein. Es gehört dem Berliner Hotel, das Martina Gedeck am liebsten hat, obwohl sie nie dort schläft, schließlich wohnt sie in der Stadt. Aber so weltverloren wie hier ist man an wenigen Orten. Das ist wichtig, denn jedes gute Gespräch ist ein wenig zeitlos, und erst recht eins, dessen Anlass nicht zuletzt die Zeit ist. Heute wird Martina Gedeck ein halbes Jahrhundert alt.
Älterwerden? „Älterwerden bedeutet, länger gelebt haben. Es kommt etwas dazu, es ist ein Reicherwerden“, erklärte sie später. Sie strebte geradeaus am fast tropischen Gewächshaus-Innenhof-Garten vorbei ins Dunkle. Ein kleiner Tagungsraum mit Tagungstisch. Sie setzte sich an die Stirnseite. Eine Tagung zu zweit. Und kein Wort von einem Vertrag. Vielleicht ist niemand so einfach wie ein komplizierter Mensch, der sich vorgenommen hat, nicht kompliziert zu sein.
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