Zeitung Heute : „Maßlos dumm, aber nicht krank“

Spielernaturen auf der Couch: Eine psychologische Analyse

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Herr Lau, es gibt Menschen, die gar nicht gerne um Geld wetten…

Das stimmt. Solche Persönlichkeitstypen ertragen die Unwägbarkeit einer Wette nicht, diese Spannung. Und es gibt eben Persönlichkeiten, die sehr auffällig dazu neigen, Spiele zu spielen und das Risiko einfach vergessen. Solche Menschen können es unter Umständen auch genießen, durch ihr Verhalten auf andere interessant zu wirken.

Ab wann wird das Spielen zur Sucht?

Sowohl Psychologen als auch Psychiater streiten darüber, ob man das Spielen als Sucht bezeichnen kann. Die einen sagen: Damit eine Sucht vorliegt, muss dem Körper von außen ein Stoff zugeführt werden, also zum Beispiel Alkohol. Die anderen sagen: Es gibt auch nicht-stoffgebundene Süchte wie die Spiel- oder Wettsucht oder Kleptomanie.

Und was sagen Sie?

Wetten ist sicher kein krankhafter psychologischer Prozess. Doch je öfter man es tut, desto niedriger sinkt die Hemmschwelle, es wieder zu tun – vielleicht sogar mit höherem Einsatz. Eine Spielernatur blendet mögliche negative Konsequenzen ihres Handels konsequent aus. Das ist natürlich maßlos dumm, aber nicht krank.

Kann eine verlorene Wette um einen hohen Einsatz oder das Auffliegen einer illegalen Wette einen Wettsüchtigen heilen?

Grundsätzlich ist es so, dass Auffälligkeiten der Persönlichkeitsstruktur meist nicht allein durch positive oder negative Erlebnisse behoben werden können, sondern nur durch eine Therapie. Handelt es sich jedoch um einen leichteren Fall, ist es denkbar, dass die Person aus den Folgen einer verlorenen Wette lernt und ihr Verhalten überdenkt.

Haben Sie schon mal um etwas gewettet?

Ja, ich war mal beim Pferderennen in Hoppegarten. Als ich verloren habe, habe ich aufgehört – obwohl es Spaß gemacht hat.

Dr. Steffen Lau ist Psychiater am Institut für forensische Psychiatrie der Charité

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