Zeitung Heute : Masterstudiengang zum Sozialmanager

Heinz Siebold

In der freien Wohlfahrtspflege sind rund 1,3 Millionen hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 90 000 Einrichtungen tätig. Die Ausgaben für diese soziale Sicherung: rund 560 Milliarden Euro (oder 1,1 Billionen Mark) - das sind 30 Prozent vom gesamten Bruttosozialprodukt. Doch die Führungspositionen in sozialen Einrichtungen sind unzureichend ausgebildet. Neue Studiengänge sollen dem abhelfen.

Die Evangelische Fachhochschule Freiburg (EFH) beispielsweise bietet seit Oktober 2001 ein "postgraduales Aufbaustudium" mit dem Abschluss "Master of social work" an. Die Freiburger Hochschule zählt damit bundesweit zu den Vorreitern neuer Studienkonzepte, die sich an internationalen Standards orientieren. Zum vier Semester langen nebenberuflichen Studium kann sich bewerben, wer schon ein überdurchschnittlich erfolgreich abgeschlossenes Studium der sozialen Arbeit, Religionspädagogik oder ein einschlägiges Hochschulstudium mit einem berufsqualifizierenden Abschluss hinter sich hat. Außerdem wird eine mindestens dreijährige Berufserfahrung nach dem Hochschulabschluss erwartet, sowie zusätzlich Leitungserfahrung in der Sozialarbeit. Für die zwei Studienjahre fallen Gebühren in Höhe von etwa 11 000 Mark an, die vollständig von den Studierenden getragen werden - Zuschüsse gibt es nicht.

Ziel der Ausbildung ist die wissenschaftliche Qualifizierung der Führungs- und Leitungsaufgaben in der Sozialwirtschaft. Leiter eines Pflegeheimes oder eines Wohlfahrtsverbandes sind schon längst wirtschaftlich tätige Manager, die mit Geld umgehen und betriebswirtschaftlich denken müssen. Zwar wurden auch bislang im Studium der Sozialarbeit betriebswirtschaftliche und juristische Grundlagen vermittelt, jedoch nicht in dem Umfang wie erforderlich. "Im Mittelpunkt der Ausbildung stehen der Erwerb fundierter Kenntnisse über die Organisation der Sozialen Arbeit, des Managements von Non-Profit-Organisationen, der Verwaltungs-, Betriebswirtschaftslehre und der Organisationssoziologie", erklärt der Leiter des Studiengangs, Professor Günter Rausch. Bislang war es nur möglich, sich nach dem Fachhochschulstudium privat oder mit einem neuen Studium weiterzuqualifizieren. Der neue "Master"-Studiengang setzt die Ausbildung gradlinig fort und kann, so Professor Rausch, "zu einer akademischen Aufwertung des Berufes der Sozialen Arbeit führen. Und zu einer Professionalisierung, ohne einseitige betriebswirtschaftliche und technologische Ausrichtung." Führungspositionen in sozialen Einrichtungen sollten, so Rausch, von Sozialmanagern - und nicht von reinen Betriebswirten oder Verwaltungsfachleuten - besetzt werden.

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