Zeitung Heute : Mathematik wird zu Magie

ELFI KREIS

Bilder und Objekte von Lienhard von Monkiewitsch in der Galerie ZellermayerELFI KREISWieviel Möglichkeiten mag es wohl geben, "zwei Schnitte in das suprematistische Rechteck" Kasimir Malewitschs zu machen? Schneidet man zwei Ecken ab und fügt diese Dreiecke wieder an die verbliebene Trapezform, ergeben sich allein zweihundertundsechs verschiedene Varianten.In einer Serie von Kreidezeichnungen hat Lienhard von Monkiewitsch sie alle systematisch durchgespielt und eine Vielzahl davon in Wandobjekte umgesetzt.Das Verfahren, auch auf das suprematistische Quadrat ausgedehnt, bietet erneut eine Fülle denkbarer Modifikationen, mit denen Monkiewitsch arbeitet. Seine geometrischen Konstruktionen auf großen Leinwänden hingegen beruhen auf der additiven Zahlenreihe des italienischen Mathematikers Fibonacci aus dem 12.Jahrhundert.Ausschließlich auf die Farben "Rot - Weiß - Schwarz" konzentriert sich die Auswahl seiner neuen Arbeiten in der Galerie Zellermayer.Die Ausstellung zeigt unter diesem Titel Arbeiten auf Karton, Objekte und Malerei (3500 DM bis 24 000 DM).Mathematische Gesetzmäßigkeit und das "Spiel mit dem gewollten Zufall" bestimmen Lienhard von Monkiewitschs Werk.Doch wird es nicht von nüchternen Rechenkunststüêken beherrscht.Seit bald dreißig Jahren widmet sich der Professor an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig einem zentralen Thema: dem Raum.Seine Bilder und Bildobjekte gewinnen eine weitere wesentliche, eine materialhaft sinnliche Dimension hinzu.Mathematik verwandelt er in Schwarze Magie, die energetische Sogkraft geheimnisvoll dunkler Tiefenräume.Die Magie nebulöser Schattenschemen, die wie der flüchtige Hauch eines Echos vor stillen, meditativen Formen zu schweben scheinen.Monkiewitschs Zaubermittel für seine samtig plastischen Oberflächen und Imaginationen luftiger Bildräume? Es heißt schlicht und einfach schwarzes Pigment. Galerie Zellermayer, Ludwigkirchstraße 6, bis Oktober; Dienstag bis Freitag 12-18 Uhr, Sonnabend 11-14 Uhr.

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