Matthies meint : Achten wir auf Rumänien!

Bernd Matthies HP Kontur

Das aktuelle Großproblem der Politik besteht darin, dass einfaches Vorsichhinregieren nicht mehr funktioniert, nirgendwo. Da ist man zwar Kanzler, Präsident oder Bürgermeister und geht genau nach Handbuch vor, aber die Realität will sich nicht fügen, benimmt sich wie ein Auto mit Sommerreifen im knietiefen Schnee. Am Ende steht immer ein Zusammenstoß mit der Opposition, die genauso durch die politische Landschaft schlingert.

Möglicherweise haben sie jetzt in Rumänien was entdeckt. Staatspräsident Basescu nutzt für seinen Wahlkampf angeblich die Kraft der „violetten Flamme“, das ist was Neues beim Gewinnenwollen, und es äußert sich sichtbar darin, dass er ständig entsprechend gefärbte Krawatten und Pullover trägt und damit seine Gegner irritiert. Ja, wir höhnen gern: Lila – der letzte Versuch. Aber hier geht es um mehr, hier ist angewandte Esoterik im Spiel.

Zum Beispiel in Gestalt von Lady Rowena, einer scharfen Rothaarigen mit Eule auf dem Schoß, ungefähr der Typ, der mit Fotostrecken im „Playboy“ richtig Geld machen kann. Sie scheint, glaubt man der einschlägigen Website, eine große Rolle zu spielen im violetten Erfolgsprogramm. Ihr Ziel ist, ganz grob formuliert, die Verschmelzung der Seelen im vollkommenen Mutter-Vater-Gott-Universum, also im Prinzip eine Art CDU-CSU-FDP-Koalition, nur dass alle die Schnauze halten und die Chefin machen lassen, plus etwas Salbungsöl zur sogenannten Selbsteinweihung.

Auffällig ist zumindest, dass Violett bislang im Farbenspektrum der deutschen Politik überhaupt keine Rolle spielt. Es ist ja schon lange reserviert für dezidiert feministische Positionen, aber die vermochten sich nie in Parteiform zu kondensieren. Insofern ist es Zeit für einen farblichen Paradigmenwechsel. Violett wäre, sagen wir, das neue Schwarz, ein Farbtupfer im System. Violett, Gelb, Grün sind die Farben der Phasen beim Drehstrom, und sie wären damit ein Symbol für einen Energieruck, der das Land ... Nur ein willkürliches Beispiel!

Achten wir also 1. auf Rumänien und, 2. darauf, was Präsident Basescu im Wahlkampf erreicht. Und schauen dann 3., ob sich bei Angela Merkel was verändert. Ein neuer flotter Blazer in Violett, eine kluge Eule im Schoß – das wären Hinweise auf einen politischen Erdrutsch. Das mit den Fotos im Playboy ließe sich dann durchaus entbehren.

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