Matthies meint : Batterien im Kofferradio erneuern!

Bernd Matthies HP Kontur

So fangen Katastrophenfilme an. Erst das leise, aber unheimliche Grummeln in der schwarz-gelbschwarzen Koalition, dann das massenhafte Versagen der Geldautomaten, das uns Menschen von der materiellen Lebensader, dem Geld, abschneidet. Und, schließlich, die finale Schneewalze, die dem Leben, wie wir es kannten, einen halben Meter Schnee vor die Füße wirft. Über das Ende wissen wir noch nichts, aber es wird wohl darin bestehen, dass sich Merkel, Seehofer und Westerwelle in eine Raumfähre retten und dann im Pferdekopfnebel weiterzanken, obwohl all ihre Steuerzahler untergegangen sind.

Was können wir tun? Den Weg in den Abgrund so schmerzfrei wie möglich gestalten. Zu diesem Zweck hat sich Christoph Unger gemeldet. Der Präsident des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe musste in der Vergangenheit mangels Tsunamis und Bombenangriffen ein Schattendasein führen; er hat sich wohl damit beschäftigt, in der Eifel Roggenmehl und Dosenfleisch einzulagern.

Dafür kommt er jetzt groß raus. In der Mitteilung zum Blizzard fehlt eigentlich nur die Aufforderung, bei Sirenenalarm die Schutzräume aufzusuchen, sonst ist alles drin, was uns auch einen Krieg überstehen ließe. Kerzen bunkern! Lebensmittel einlagern! Batterien im Kofferradio erneuern! Die Grundlage unserer Fortexistenz in den kommenden Tagen besteht offenbar darin, das Handy aufgeladen zu haben, wenn der Große Stromausfall zuschlägt, um dann, ja, was eigentlich?

Der Deutsche in Not, das wissen wir aus dem Fernsehen, kann, wenn alle Joker vertan sind, immer noch irgendwo anrufen. Doch es könnte sich herausstellen, dass die Hotlines nicht deshalb so heißen, weil sie segensreiche Wärme spenden. Und funktionieren die Netze überhaupt, wenn der Strom weg ist? Der Rest – eine Katastrophe. Das frisch geladene Notebook hilft nichts, weil der Internetzugang am Strom hängt. Die Raviolidose geht nicht auf, weil der Dosenöffner am Strom hängt. Die Heizung geht nicht, weil der Brenner am Strom … Am Ende können wir uns nur auf die alte Erfahrung verlassen, dass immer, wenn gar nichts mehr läuft, garantiert ein Rotkreuzhelfer mit Wolldecken und Früchtetee vorbeikommt.

Dem Bundeskabinett empfehlen wir dennoch für alle Fälle, das Wochenende in der Nähe einer Raumfähre zu verbringen. Wäre doch schade, wenn das große Regieren so abrupt zu Ende ginge.

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