Matthies meint : Endlich wieder Mut und Weitsicht
14.11.2011 17:53 Uhr
Es genügt ja im Grunde der Blick auf diese Seite, um zu einem klaren, wohlfundierten Urteil zu kommen: Wir sollten aufhören, uns ausgerechnet von Politikern regieren zu lassen, denn die können das einfach nicht. Zugegeben, dieses Urteil ließe sich hier jeden Tag verkünden. Nur kommt es selten mit so viel natürlicher Autorität um die Ecke wie am gestrigen Montag, dem Welttag der Philosophie.
Nicht mitbekommen? Waren da keine auffälligen Zusammenballungen von Schwer- und Schwerstphilosophen? Nichts Glattgebügeltes von Richard David Precht, keine Provokationen von Peter Sloterdijk? Gut, das Schweigen von Roger Willemsen mag vielen von uns Philosophie genug sein an diesem Tag – aber ein wenig mehr Substanz darf schon sein.
Deshalb die Umfrage der „Identity Foundation“. Noch genau acht Prozent der Deutschen trauen den Politikern eine besondere Weisheit zur Lösung der Weltprobleme zu, und auch nur 16 Prozent glauben, dass die Wirtschaftskapitäne über diese Weisheit verfügen. 60 Prozent dagegen meinen, die Lebensweisheit werde in der Eltern- und Großelterngeneration bewahrt, ein insofern etwas merkwürdiges Ergebnis, als ja praktisch sämtliche deutschen Spitzenpolitiker, die FDP-Führung mal ausgenommen, dieser Generation angehören. Das könnte also bedeuten, dass Politikmachen und Weisheit sich tendenziell gegenseitig ausschließen. So lange, bis sie sich, Helmut-Schmidt-mäßig, am Ende des Lebens wieder vereinen, was dann nicht mehr allzu viel nützt.
Nur knapp 50 Prozent der Befragten befassen sich übrigens in ihrer Freizeit mit der Frage, ob es einen Gott gibt (die anderen glauben vermutlich an Helmut Schmidt). Das ist sicher zu wenig, damit kommt Deutschland auf Dauer nicht über die Runden. Worauf kommt es wirklich an?
Darauf antwortet uns Horst Opaschowski, der vom Freizeit- zum Zukunftsforscher gereifte Allwetterdenker, dem so gut wie jede Weisheit zuzutrauen ist. Die Deutschen, so verkündet er, wollen endlich raus aus der Dauerkrise, das sagen sie selbst. Na, und dann kommt es: „Die Wähler wollen wieder Politiker mit Perspektive, mit Mut und der Fähigkeit zur Weitsicht.“
Das hätte er uns auch ein paar Jahre früher sagen können. Denn wo sind diese Politiker, wenn man sie braucht? Immerhin: Bei Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht ist es nun offiziell Liebe, das ist schon ein Anfang. Darauf lässt sich allerhand aufbauen, vielleicht ein gemeinsames Babyjahr? Das wäre schon mal ein Zeichen großer Weisheit.








