Matthies meint : Fatwa gegen Karius und Baktus

Kaum passt mal einer nicht auf, bricht in der Denker-Bundesliga schon wieder die nächste Debatte los. Islam, Islamismus und Islamophobie sind gegenwärtig die drei wichtigsten Themen, und in diese Gemengelage passt nichts besser als die impulsive Kieferorthopädin aus Donaueschingen, die einen 16-Jährigen nicht behandeln wollte, weil er den Vornamen „Cihad“ trägt, der bei uns gern als „Heiliger Krieg“ übersetzt wird. Eine Dummheit, sagt sie jetzt, das ist wohl zutreffend, sie hat sich entschuldigt, und damit könnte Ruhe sein. Nur ist natürlich nicht Ruhe, keine Bagatelle ist mehr eine, wenn sie erst von dpa um die Welt gefunkt wird.

Erstes Symptom: Der notorisch erregte Antisemitismus-Forscher Wolfgang Benz hat schon „tief erschreckt“ wissen lassen, dass man daran sehe, wie die „Hetze gegen Muslime Früchte trage“. Möglicherweise ist er einem teuflischen Masterplan rechter Agnostiker auf der Spur, der es darauf anlegt, den friedliebenden Islam durch zunehmende Zahnfehlstellungen zu diskriminieren? Werden unsere Islamophoben, Broder und seine „Achse des Guten“, nun auch den tödlichen Einsatz von Karius und Baktus gegen arglose Muslime gutheißen?

Wir brauchen keinen Propheten, um vorherzusagen, dass die Empörung über diesen menschenverachtenden Vorgang vor allem in der fundamentalistisch geprägten Welt Empörung auslösen wird, ja muss. Eine Massendemonstration an geeigneter Stelle mit brennenden israelischen Flaggen und einigen hunderttausend Teilnehmern, von Al Dschasira live übertragen, ist als Gegenmittel angesichts der Verrohung Donaueschingens vermutlich noch viel zu wirkungslos.

Sie müsste zumindest durch eine Fatwa unterstützt werden und die Drohung, die zuständige Kassenärztliche Vereinigung anzugreifen, wenn die Praxisgebühr nicht sofort zurückerstattet und die Schlüssel zum Panikraum der betreffenden Praxis ausgeliefert werden. Minarette für die Donaueschinger Fußgängerzone, Burkazwang fürs Freibad, es sind durchaus noch Wege sichtbar, den gerechten Zorn über den Skandal zu dämpfen, aber sie werden nicht leicht zu begehen sein.

Und natürlich die begleitenden Gedanken in unseren Feuilletons. Die Öffnung des deutschen Privatrechts für die Scharia steht dort bereits zur Diskussion, das ist ein Anfang. Aber zweifellos würde sich diese einfach zu handhabende Rechtsauffassung auch gut eignen, um im deutschen Gesundheitswesen wieder Klarheit und Kostenbewusstsein zu schaffen. Herr Rösler, übernehmen Sie!

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