Matthies meint : Letzter Aufruf Richtung Moskau

Bald wird in Russland keiner mehr reingelassen. Voll! Alle Mühseligen und Beladenen drin, alle eingebürgert, die mit ihrer bisherigen westlichen Umgebung nicht mehr klarkommen. Staatschef Putin ist das gute Herz Europas, aber man wird selbst ihm zugestehen müssen, dass mal Schluss sein muss, zumal fette Tanzbären wie Gerard Dépardieu ja unglaublich viel Platz wegnehmen.

Am Freitag hat sich Brigitte Bardot angekündigt, die ja bekanntermaßen für den Tierschutz lebt. Sie will den russischen Pass beantragen, wenn die Behörden im Lyoner Zoo zwei kranke Elefanten einschläfern – um „aus diesem Land zu fliehen, das nur noch ein Tierfriedhof ist“.

Ja, Putin, nun mal los! Das ist eine einmalige Chance! Mehr als eine Villa am Baikalsee mit ein paar Tiergehegen wird nicht notwendig sein für diesen Coup. Und erst die Bilder: wie die berühmte Schauspielerin den russischen Regierungsflieger verlässt, gefolgt von den kranken Elefanten Baby und Népal, die, uffta, die Gangway zur Militärkapelle hinunterhumpeln und anschließend von hingebungsvollen Veterinären am Moskauer Schlawonsko-Institut aufgepäppelt werden.

Der Höhepunkt dieser PR-Aktion wird zweifellos darin liegen, dass alle drei dann zusammen im Bolschoi-Theater auftreten – ein weltweit beachteter pas de trois, der das stolze Frankreich endgültig in den Staub des Dünkels und der welschen Hoffart ... Na, so ungefähr, jedenfalls, die Einzelheiten können dann noch geklärt werden.

In den meisten Fällen geht es aber eher um Geld als um Tierrechte. 13 Prozent Steuern, das ist ein Wort, da liegen Chancen. Millionen von deutschen Steuerbürgern warten auf Anerkennung durch den russischen Fiskus, das kann im Grunde nicht so schwer zu realisieren sein mit der Drohung, andernfalls einfach das dicke Rohr mit dem Gas drin zuzumachen.

Uns Deutschen fehlen allerdings weltberühmte, von reichlich Alkohol aufgeweichte Prominente, die den ersten Schritt wagen. Möglicherweise muss die Gegenseite den ersten Schritt gehen: Witali Klitschko zum Beispiel ist mit dem Versuch gescheitert, Bürgermeister von Kiew zu werden. Aber könnte irgendjemand wirkungsstärker als er Berlin vor dem endgültigen Verfall bewahren? Beim Flughafen einmal richtig auf den Tisch hauen?

Bitte? Klitschko ist Ukrainer? Egal – man kann den Perfektionismus auch übertreiben.

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