Matthies meint : Schicken wir das Klima auf den Mars!

Sauwetter, das da draußen. Okay, die Sonne hat mal wieder reingeschaut, aber das ändert leider wenig daran, dass es endlos kalt ist und wir uns nach Wärme, dem Blühen der Zaubernuss und dem Tschilpen frisch aufgetauter Singvögel sehnen. Der Klimawandel könnte da wirklich segensreich wirken, wenn er denn nur endlich käme und sich nicht schamhaft hinter einem epochalen Rekordwinter verstecken würde.

Das Seltsame aber ist: Klimaerwärmung heißt offenbar nicht, dass es wärmer wird. Denn wie uns britische Meteorologen jetzt laut „Bild“-Zeitung darlegen, führt das Schmelzen des Nordpoleises zur Erhitzung der Luft dortselbst, und keine knackige Polarluft saugt mehr warme Südwinde in unsere Gegend; die Folge, heißt es, seien mehr Winter wie dieser.

Das ist insgesamt schwer zu verstehen, ja, man könnte langsam Mitleid mit dem armen Klima entwickeln, das so gar keine Chance mehr hat, seinen guten Willen zu zeigen. Wird es wärmer und wärmer, beweist es damit die fortschreitende Erwärmung – das ist klar. Bleibt es ein Jahrzehnt oder länger konstant, beweist es die fortschreitende Erwärmung ebenfalls, denn niemand darf ja annehmen, dass diese Erwärmung ein linear ablaufender Prozess sei wie Fieber bei einer Lungenentzündung. Und wenn es kühler wird, was uns nun offenbar in den kommenden Wintern bevorsteht, ist damit die Erwärmung …

Sie verstehen das Prinzip? Selbst wenn das Wetter in den kommenden Dekaden eine sensationell gleichmäßige Bilanz hinlegt, im Durchschnitt der siebziger Jahre beispielsweise, als wir noch Angst vor der nächsten Eiszeit hatten, dann werden wir hören, diese Normalität sei eine so extreme Anomalie, dass damit der Klimawandel endlich unumstößlich bewiesen sei.

Am Ende wird irgendetwas Komisches passieren. Am eisfreien Nordpol bauen die Leute auf schwimmenden Inseln Ananas an, während es in Doberlug-Kirchhain oder Bietigheim-Bissingen zugeht wie in Filmen von Roland Emmerich oder Al Gore, wo die Gletscher im ICE-Tempo durch die Buchsbaumhecke marschieren und die verzweifelten Bürger sich im Keller an den letzten brennenden Klimazertifikaten zu wärmen versuchen.

Die letzte Chance des Klimas besteht vermutlich darin, einfach ganz abzuhauen, auf den Mars, den Saturn, egal. Wir kämen hier auch gut ganz ohne aus. Jedenfalls in Wintern wie diesen.

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