Matthies meint : Und hinterher lähmendes Schweigen

Ziemlich gefährliche Zeiten. Die Dinge entwickeln sich nicht mehr einfach so, sondern sie explodieren. Die Schulden zum Beispiel. Zack, es kracht, links gehen die Anleihen in die Luft, rechts die toxischen Wert papiere, über allem lastet beißender Rauch. Die Staatsschulden, Himmel, sie explodieren wie ein Haufen Silvesterraketen, nur sind sie hinterher nicht weg oder liegen schlapp im Gebüsch, sondern lasten weiter auf den Haushalten. Einige Finanzminister denken bereits darüber nach, ihre Etats mit gefälschten Pfandbriefen auf 1999 zurückzudatieren, um dann wenigstens 2500 Euro Abwrackprämie einzunehmen.

Das Gebot der Stunde liegt also in der Erfindung starker Schuldenbremsen. Sie müssen schon bei leichtem Tritt des Parlaments voll zupacken, und sie müssen übers ganze Land gleichmäßig verteilt sein. Ministerpräsident Böhmer aus Sachsen-Anhalt hat sich jetzt deshalb sogar für gemeinsame Bund-Länder-Bremsen starkgemacht.

Richtiges Bremsen will gelernt sein. Zu viel Kraft auf einmal, und das auf glattem Boden, das ist höchst gefährlich, dann kommt der Staat in Schieflage, kippt um, und oben zum Fenster steigt der Finanzminister verdutzt heraus wie damals der schwedische Motorjournalist beim Elchtest. Und wenn die Saarländer es mit einer vorsichtigen Stotterbremse versuchen, während Sachsen-Anhalt in die Eisen steigt, dass die Kassen glühen – dann besteht höchste Schleudergefahr, dann macht der Staat eine Kehre und fährt zurück in die Vergangenheit, auf der einen Seite spritzen die Reste des Soli durch die Gegend, auf der anderen fliegt die Sektsteuer weg, die harte Abschlagsteuer reißt die Finanzverfassung auseinander, bis schließlich die Berliner Mauer erreicht ist und der Höllenfahrt ein Ende macht. Man muss sich das wie einen Zusammenschnitt der besten Folgen von „Cobra 11“ vorstellen, mit den gasgefüllten Tankzügen und rollenden Munitionsdepots. Bumm! Und hinterher lähmendes Schweigen.

Klar, dass beim Schuldenbremsen nur bestes Material eingesetzt werden darf. Reifen mit höchstem Verantwortungsprofil! Dafür bietet sich die Verstaatlichung der Firma Continental an, die gegenwärtig in den Händen von Maria-Elisabeth Schaeffler ihrer gesamtstaatlichen Verantwortung nicht gerecht wird. Falls sie etwas für den Staat tun will, konnte sie eventuell ihre Haarsprayvorräte zur Verfügung stellen. Die halten locker ein kleines Bundesland zusammen.

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