Matthies meint : Was der Teufel grad so anrichtet

Wir hätten da auch von selbst drauf kommen können. Gibt man „Westerwelle“ bei Google ein, erreicht man um die 560 000 Treffer; „Satan“ dagegen bringt mehr als 35 Millionen. Keine Frage: Der Bursche mit den Hörnern ist der Wichtigere, Bösere. Also spricht die Wahrscheinlichkeit auch dafür, dass uns die weltweite Wirtschaftskrise nicht von irgendwelchen subaltern irrlichternden Kapitalknechten eingebrockt wurde, sondern von Sie-wissen-schon-wem persönlich.

Das ist jetzt nicht nur so eine Ahnung, sondern die Erkenntnis des römischen Priesters und Exorzisten Gabriele Amorth. „Die wirtschaftlichen Zerrüttungen schaffen Entfremdung, Brüche“, sagt der Experte, „genau das, was Satan will.“ Die Befehlskette geht seiner Meinung nach so, dass der Teufel den Experten und Investoren einfach ein paar falsche Entscheidungen eingibt und vom warmen Grillrost aus zuschaut, wie alles in die Grütze geht.

Zugegeben: Bis jetzt wurden die Börsianer weder von Schwefelgeruch belästigt noch von Schlangen oder anderen Unterteufeln angesprochen, das ist ein gewisses Manko. Aber nicht für den Experten, der betont, der größte Sieg des Dämonen liege gerade darin, uns glauben zu machen, dass es ihn nicht gebe.

Alles klar so weit. Aber was tun wir nun? Sind unsere Wirtschaftsweisen Helfer in der Not – oder Satanisten, die uns täglich tiefer ins Unglück treiben? Möglicherweise helfen die traditionellen Methoden des Exorzismus: Man könnte einen nachweislich Bösen wie Bernard Madoff, den Milliardenvernichter, auf eine Pritsche schnallen und ihn mit Holzkreuzen und lateinischen Vokabeln so lange traktieren, bis er das verschwundene Geld herauswürgt und unter Blitz und Donner zur Hölle fährt, man könnte das sogar öffentlich tun, bei Günther Jauch oder Anne Will. Plus Erklärung von Joachim Bublath, wie der Schwefel in den Teufel kommt und der Teufel ins Detail.

Doch wollen wir das? Am Ende wächst der Kapitalismus dann stärker denn je aus der Krise heraus, mehrt den weltweiten Wohlstand wie verrückt – und Mephisto steht mal wieder als Nützling da, als Teil jener Kraft, die stets das Böse will und stets, Sie wissen schon. Hilfreich wäre also ein Zeichen: Ist Satan Kapitalist? Maoist? Anarcho-Syndikalist? Sadomaso-Freak?

Am Ende ist er womöglich nur ein übelriechender alter Sack, der, wie wir alle, den Überblick verloren hat. Teufel auch, das wäre übel.

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