Matthies meint : Wir werden Wulli-Wulli vermissen

18.02.2012 00:00 Uhr

Es ist natürlich zunächst eines verlorenen Themas zu gedenken. Ein Sack von allerfeinsten Selbstgängerpointen für Büttenreden und Stammtischduelle – unbrauchbar. Wir müssen uns nur mal den Schaden vorstellen, den der vorzeitige Rücktritt des Bundespräsidenten unter den Karnevalisten angerichtet hat: Der Rosenmontagszug ist praktisch erledigt, kein Mensch will mehr einen schlaff in den Seilen des politischen Boxrings hängenden Wulff sehen. Im Grunde wäre es fair, die gesamte Veranstaltung mit Hinweis auf das Verschwinden des Hauptopfers abzusagen. Gut, dass sie am Rhein wenigstens noch die Griechen haben, die ja immer für ein paar abgehangene Tsatsiki- Späße gut sind.

Härter noch hat es den CSU-Vorsitzenden getroffen, der seine Rede für den politischen Aschermittwoch vermutlich schon zum Redigieren im Dienstwagen liegen hat. Nun ist Horst Seehofer plötzlich amtierendes Staatsoberhaupt, und in dieser Rolle verbietet es sich selbstverständlich, das Passauer Bierzelt laut berserkernd gegen die Sozen aufzupeitschen und gegen alle anderen saupreußischen Flachlandtiroler, sakra.

Es wird also ein langweiliger Aschermittwoch werden, ein Tag der Einkehr mit einem zahmen Seehofer, der keine Machtoption wegbeleidigen darf und deshalb das Bayerische schlechthin in den Vordergrund rücken wird. Die Junge Union Peiting-Steingaden hat ihr Banner für den großen Tag bereits vorgestellt: „Mia san do, bleiben do und wern a immer do sei“.

Das meiste aus der Ära Wulff wird bald nimmer do sei. Dabei war es doch so schön! Satirisch längst noch nicht ausgereizt sind zum Beispiel die vielen Partikel der Affäre, der Partymogul, der den Präsidentensprecher „Generalfeldschnulli“ und „Schnulligranate“ nennt und sich von ihm einen gelegentlichen „Glatzenschmatz“ zusichern lässt; es war die Rede vom Präsidenten als „Wulli-Wulli“, es klang alles ein wenig wie im Teletubbie-Land, nur eben mit Regierungsmacht und Barzahlung.

Fast ein wenig schade drum. Denn wer immer jetzt kommt: Er wird umzingelt sein von Rechtsanwälten und Compliance-Beauftragten, und er wird seinen E-Mail- und SMS-Verkehr offenlegen bis ins 20. Jahrhundert. Es wird jemand sein wie der Verteidigungsminister, den wir uns bei Fehltritten jenseits der 1-Cent- Grenze nicht vorstellen können.

Für den Rosenmontag 2013 bedeutet das nichts Gutes. Kann sein, dass die Griechen dann noch einmal herhalten müssen.

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