MEDINILLE : Diva des Regenwaldes

Die anspruchsvolle, aber recht ausladende Medinille betört mit opulenter Blütenpracht.

Heike deissler

Wer einen warmen Wintergarten sein Eigen nennt und dafür ein besonders attraktives Schmuckstück sucht, liegt bei Medinilla magnifica goldrichtig. Das Gewächs aus dem philippinischen Regenwald ist zwar nicht gerade pflegeleicht, hat dafür aber echte Starqualitäten. Die Medinille verbreitet tropisches Flair wie kaum eine andere Bewohnerin der feucht-warmen Urwälder. Bereits der Namenszusatz magnifica, die Prächtige, deutet auf ein nicht alltägliches Erscheinungsbild hin. Mit ihren imposanten üppigen Blütenständen zieht die Tropenschönheit alle Blicke auf sich. Aber auch ihr Blattschmuck ist nicht zu verachten. Kein Wunder, dass sich die seit einigen Jahren im Handel angebotenen Medinillen trotz ihres vergleichsweise hohen Preises wachsender Beliebtheit erfreuen.

Die zur Familie der Schwarzmund-Gewächse (Melastomataceae) zählende Gattung Medinilla umfasst etwa 500 Arten, überwiegend Sträucher und Bäume. Sie sind im tropischen Inselgürtel von Madagaskar bis zur Südsee verbreitet und wachsen teilweise als Aufsitzer auf Bäumen (Epiphyten). Benannt ist die Gattung nach José de Medinilla e Pineda, einem spanischen Kolonialbeamten des 19. Jahrhunderts.

Medinilla magnifica, die bekannteste Art der Gattung, wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von der Baumschule Veitch & Son, die eigene Pflanzensammler beschäftigte, nach Europa eingeführt. Die prächtige Pflanze errang Preise auf Ausstellungen und begeisterte schnell Fachleute wie Hobbygärtner.

In seiner Heimat erreicht der wüchsige Strauch leicht zwei bis drei Meter Höhe. Auch in Kultur benötigt die Pflanze Platz, da sie bei guter Pflege eineinhalb Meter hoch und fast ebenso breit werden kann. Während die holzigen, vierkantigen Stängel durch Knoten unterteilt sind, beeindrucken die dunkelgrünen ledrigen Blätter nicht nur durch ihre Größe (bis 30 Zentimeter lang), sondern auch durch hell akzentuierte, bogenförmig verlaufende Adern. Die Blüten erscheinen im zeitigen Frühjahr an langen, bogig überhängenden Stielen. Aus den zunächst geschlossenen großen Blütenkelchen schieben sich bis zu 40 Zentimeter lange, mit zahlreichen rosafarbenen Einzelblüten besetzte Rispen. Über ihnen wölben sich wie ein zarter Schutzschirm die auffälligen rosig-weißen Tragblätter. Das spektakuläre Schauspiel hält mehrere Wochen an und kommt am besten zur Geltung, wenn man der Medinille einen exponierten Platz, zum Beispiel in einer Ampel oder auf einer Säule, zugesteht.

Viele Blumenliebhaber erliegen den extravaganten Reizen und legen sich ein Medinilla-Exemplar zu, ohne zu wissen, dass sie keine klassische Zimmerpflanze erworben haben. Wenn das exotische Geschöpf im heimischen Wohnzimmer dann nicht so recht gedeihen mag, ist die Enttäuschung groß. Der Medinille geht es am besten in einem geschlossenen Tropenfenster oder – wegen ihrer voluminösen Gestalt angebrachter – im feucht-warmen Wintergarten. Zur Blütezeit, wenn die Pflanze ihre ganze Pracht entfaltet, kann sie kurzfristig auch im Wohnzimmer Einzug halten. An einem hellen Platz, der im Sommer nicht von direkter Sonne beschienen wird, ist das Urwaldgewächs gut aufgehoben. Im Winter sollten Medinillen so hell wie möglich stehen, da viel Licht der Blütenbildung auf die Sprünge hilft.

Die Diva des Regenwaldes liebt es warm: Bei Temperaturen zwischen 20 und 30 Grad fühlt sie sich am wohlsten. Im Zeitraum von November bis Februar sollte jedoch eine Ruhezeit von mindestens zwei Monaten bei 15 bis 17 Grad eingehalten werden, damit die Triebe ausreifen und sich Blütenknospen bilden können. Während dieser Zeit erhält die Pflanze keinen Dünger und nur sparsame Wassergaben. Sobald die Blütenansätze sichtbar sind, kehrt die Medinille an ihren warmen Platz zurück und bekommt wieder mehr Wasser. Um die Blütenbildung nicht zu stören, sollte das gute Stück jetzt nicht mehr gedreht werden. Auch von unten hat es die Pflanze gern warm: So darf die Bodentemperatur nie unter der Lufttemperatur liegen. Wenn die Erde kalt und womöglich noch triefnass ist, faulen die Wurzeln schnell. Die Blüten werden nach dem Verblühen am Ansatz abgeschnitten. Wo sie saßen, bilden sich neue Blätter.

In der Vegetationszeit hält man das üppige Gewächs mit kalkarmem, temperiertem Wasser gleichmäßig feucht, wobei die oberste Substratschicht zwischen den Gaben abtrocknen sollte. Überschüssiges Wasser im Untersetzer oder Übertopf wird abgegossen. Bei großer Hitze ist auch ein Tauchbad empfehlenswert. In der Heimat der Medinille herrscht hohe Luftfeuchtigkeit. Mindestens 60 Prozent sollten auch in Kultur erreicht werden. Tägliches Einnebeln der Pflanze mit weichem Wasser und ein entsprechender Standort helfen dabei.

Medinillen mögen lockeres, humoses und leicht saures Erdreich. Bromelienerde eignet sich gut, aber auch normale Blumenerde, die mit Grobteilen und Torf angereichert wird. Ein Umpflanzen ist in der Regel alle zwei Jahre erforderlich und erfolgt im zeitigen Frühjahr. Dann können sparrige Triebe oder zu groß gewordene Pflanzen auch gleich bis ins alte Holz zurückgeschnitten werden. Die Schere wird dabei oberhalb eines Knotens angesetzt. In der Wachstumszeit von März/April bis August erhält die Medinille ein Mal wöchentlich kalkfreien Dünger.

An einem zu trockenen Standort kann es nicht nur zu Wachstumsstörungen kommen, dort werden Medinillen auch leicht Opfer von Schädlingen wie Spinnmilben oder Wollläusen. Beste Vorbeugung ist eine hohe Luftfeuchtigkeit. Bei Befall können ölhaltige Präparate helfen, allerdings muss die Behandlung meist mehrmals wiederholt werden.

Die Vermehrung von Medinilla magnifica ist schwierig, da die Stecklinge sperrig sind und nur unter Glas bei hoher Luftfeuchtigkeit und 30 bis 35 Grad Bodenwärme bewurzeln. Für Laien ist dies wohl meist zu umständlich. Doch auch von ausgebildeten Gärtnern lassen sich die prächtigen Medinillen nicht schnell und in Massen heranziehen. Damit wird auch klar, warum die Pflanzen nicht als Supermarkt-Schnäppchen zu bekommen sind. Aber wer ist nicht bereit, für eine wahre Diva etwas mehr auszugeben?

Kauf. Es gibt etwa 125 verschiedene Arten, aber nur Medinilla magnifica von den Philippinen wird seit etwa 100 Jahren in Europa gezogen. Die Tropenpflanze ist verhältnismäßig teuer. Man sollte sie nur kaufen, wenn man ihr optimale Bedingungen bieten kann.

Standort. Da die Medinille recht ausladend wird, lässt sie sich auf einer normalen Fensterbank kaum unterbringen. Gut steht sie auf einem Blumenhocker nahe am Fenster oder in einem geheizten Wintergarten. Im Sommer benötigt sie Wärme, während der Ruhezeit von Ende November bis Ende Januar sind Temperaturen zwischen 15 und 17 Grad Celsius richtig. Die im Frühjahr erscheinenden hängenden rosaroten Blütenstände können bis zu 60 Zentimeter lang werden und an den Rispen bis zu 100 Einzelblüten erscheinen.

Pflege. Die Pflanze benötigt besonders im Sommer viel Wasser. Die Grundregeln lauten: Staunässe vermeiden, gleichmäßig gießen, kalkarmes temperiertes Wasser benutzen. Im Winter wenig gießen, nicht austrocknen lassen, täglich besprühen. Während der Wachstumszeit ein Mal pro Woche düngen. Tsp

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