• Mehdorn: Muss man Tegel wirklich schließen? Eklat zwischen Aufsichtsrat Platzeck und neuem BER-Chef am ersten Arbeitstag

Zeitung Heute : Mehdorn: Muss man Tegel wirklich schließen? Eklat zwischen Aufsichtsrat Platzeck und neuem BER-Chef am ersten Arbeitstag

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Berlin - Der neue BER-Chef Hartmut Mehdorn hat an seinem ersten Arbeitstag die Schließung des Flughafens Tegel nach der Inbetriebnahme des neuen Hauptstadtflughafens BER infrage gestellt. „Muss man Tegel wirklich schließen, oder kann man nicht die Last ein bisschen gleich auf die Stadt verteilen?“, fragte der 70-jährige Manager auf einer Sitzung des BER-Sonderausschusses im brandenburgischen Landtag. „Charterflüge in Tegel – was wäre so schlimm daran? Ist nicht so viel, die fliegen auch nicht nachts“, sagte Mehdorn weiter. Von Abgeordneten wurde Mehdorn auf den Planfeststellungsbeschluss hingewiesen. Dieser sieht vor, dass Tegel ein halbes Jahr nach Inbetriebnahme des BER geschlossen wird. Mehdorn entgegnete: Es sei nicht verboten, schlauer zu werden.

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), der ebenfalls an der Sitzung teilnahm, intervenierte mehrfach. „Sie können davon ausgehen, dass der Planfeststellungsbeschluss so gut wie in Eisen gegossen ist“, sagte der BER-Aufsichtsratschef. Ein Offenhalten Tegels sei rechtlich nicht machbar. „Das sehen wir Herrn Mehdorn, der jetzt genau sieben Stunden im Amt ist, nach, dass er das noch nicht ganz übersehen kann“, erklärte Platzeck, der die Aussage Mehdorns zunächst selbst relativierte und darauf verwies, dass der neue BER-Chef nur für eine Offenhaltung Tegels sei, solange die Nordbahn des BER saniert werde.

Mehdorn reagierte auf die Interventionen Platzecks erst nach Ende der Sitzung und übernahm die von Platzeck vorgegebene Relativierung. Bei der Fertigstellung des neuen Flughafens müsse man bereit sein, auch außerhalb der Norm zu denken, sagte Mehdorn. Er freue sich auf seine Aufgabe, den Flughafen ans Netz zu bringen. „Die ganze Welt sagt: Es geht gar nicht. Ich sage: Es müsste gehen, aber ich weiß auch noch nicht wie.“

Die Reaktionen auf Mehdorns Vorstoß fielen unterschiedlich aus. Der Berliner CDU-Bundestagsabgeordnete Frank Steffel begrüßte die offenen Worte Mehdorns und kritisierte Platzecks Intervention. „Matthias Platzeck beweist mal wieder, dass er für den Posten als Aufsichtsratschef völlig ungeeignet ist. Anstatt Themen auch mal ergebnisoffen zu diskutieren, untergräbt er sofort die Autorität seines neuen Flughafenchefs.“ Das einzige Ziel müsse jetzt sein, dass Berlin eine leistungsfähige Anbindung an die Welt bekomme. „Bei diesem Chaos darf es keine Denkverbote geben.“ Martin Delius (Piraten), Vorsitzender des BER-Untersuchungsausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus, kritisierte wiederum Mehdorns Einlassungen. „Der neue BER-Chef bringt nicht einmal die Grundkenntnisse in Sachen Planungsrecht mit. Damit wird schon am ersten Tag ersichtlich, was für ein Ei sich die Gesellschafter da ins Nest gelegt haben“, sagte Delius dem Tagesspiegel. Den Aufsichtsratsmitgliedern dürfte demnächst öfter der Schweiß auf der Stirn stehen, wenn Herr Mehdorn etwas zum BER sagt.

Auf der Sitzung wurde ein weiterer überraschender Umstand bekannt. Nach Aussagen von Platzeck wird neben Vorstandschef Mehdorn und Technikchef Horst Amann weiterhin ein dritter Mann gesucht, ein Finanzgeschäftsführer. Mehdorn, so viel steht seit Freitag fest, hat einen Dreijahresvertrag unterschrieben. Unklar ist aber, wie hoch sein Gehalt ausfällt. „Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen“, sagte ein Flughafensprecher. Allerdings kündigte er an, dass die Flughafengesellschaft sein Gehalt 2014 veröffentlichen will. Sein Vorgänger, Rainer Schwarz, kam auf ein Jahresgehalt von etwa 550 000 Euro. Mehdorns Einnahmen dürften höher ausfallen, auch weil er nicht wie Schwarz bloß Sprecher der Geschäftsführung ist, sondern Vorsitzender.

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