Zeitung Heute : Mehr als nur Stellengesuche

Private Online-Börsen setzen auf Fach- und Führungskräfte

Kurt Sagatz

Aus Hunderten von Bewerbungen die drei, vier geeigneten Kandidaten aussuchen, das sei die Leistung der Online-Stellenbörsen, so die Philosophie von Monster.de. Bewerber-Management nennt man das und genau diese gezielte Auswahl der Kandidaten ist durch arbeitsagentur.de bedroht. Nicht die Vermittlung von Arbeitslosen wolle man kritisieren, sondern dass sich das Arbeitsamt auch um die im Beruf stehenden, wechselwilligen Fach- und Führungskräfte kümmern will. Monster.de wehrt sich dagegen, dass die in Online-Börsen geschalteten Anzeigen auch auf der Arbeitsamts-Seite erscheinen. Statt ausgewählter Bewerber müssen die Unternehmen mit großen Mengen von unpassenden Bewerbungen umgehen.

Auch Ralf Baumann, der Deutschland-Vorstand von StepStone, schlägt in diese Kerbe. Die Bundesanstalt für Arbeit solle lieber Leuten helfen, die nicht in der Lage sind, Bewerbungen und Lebensläufe zu schreiben, als in einen von den privaten Online-Stellenbörsen aufgebauten Markt einzubrechen. Die vier größten Online-Stellenbörsen – Jobpilot, JobScout 24, Monster und StepStone – haben daran einen Anteil von rund 25 Prozent, Tendenz steigend. Insgesamt tummeln sich mehrere hundert Online-Börsen auf dem Markt.

Eigentlich könnten sich zumindest die Zeitungsverleger über diese Entwicklung freuen. Schließlich hatten sie vor einigen Jahren einen Teil ihres Rubrikengeschäftes mit Stellenanzeigen an die elektronische Konkurrenz verloren. Weit gefehlt: Der Bundesverband der Deutschen Zeitungsverleger hält ebenso wenig von den Plänen aus Nürnberg wie die Online-Börsen. „Natürlich fanden wir damals die Entwicklung nicht gut“, sagt BDZV-Geschäftsleitungsmitglied Hans-Joachim Fuhrmann, „doch anders als jetzt war das immerhin ein Markt, der entstand. Was jetzt die Bundesanstalt macht, ist ein Eingriff in den Wettbewerb“.

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