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Mit Kultur und Gesellschaft: Neue Akzente für Bühnenbildner

Danja Schilling

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts spielten Schauspieler noch mittags auf dem Marktplatz, flankiert von dekorativ bemalten Leinwänden. Elektrisches Licht veränderte diese Darstellungsform grundlegend. Das Theater entdeckte für sich den geschlossenen, ausgeleuchteten Raum und mit diesem die Notwendigkeit, eine Bühne plastisch gestalten zu müssen. Was vorher bloße Dekoration war, wurde so nach und nach ein integraler, bilderzählerischer Bestandteil einer Inszenierung: das Bühnenbild.

In den Zwanzigerjahren setzten sich Kunststudenten am Bauhaus in Weimar bei Oskar Schlemmer mit Bühnenentwürfen auseinander. Mit der Einführung eines eigenständigen Bühnenbildstudiengangs reagierte die damalige Berliner Hochschule der Künste nach dem Krieg als eine der ersten künstlerischen Hochschulen auf den Ausbildungsbedarf dieser jungen Kunst. Denn anders als landläufig angenommen, ist Bühnenbild kein Handwerk, sondern eine Kunstform.

Professor Hartmut Meyer, seit 2002 an der UdK, arbeitet derzeit daran, den Studiengang grundlegend zu reformieren. Zum einen will er die Ausbildung breiter anlegen: Die Studenten sollen sich mit aktuellen Diskussionen in Kultur, Gesellschaft und in den Naturwissenschaften auseinander setzen. Um ihre bilderzählerische Ausdrucksfähigkeit zu erweitern, will Meyer Dozenten aus den Grenzbereichen des Theaters engagieren: neben Dramaturgen, Regisseuren, Dramatikern auch bildende Künstler und Wissenschaftler. Seit dem letzten Semester etwa arbeitet der georgische Künstler Gia Edzgveraze mit den Studenten. Seine Aufgabe: Das assoziative Erzählvermögen der künftigen Bühnenbildner zu fördern.

Die zweite grundlegende Veränderung betrifft die praktische Ausbildung. Meyers Studenten bilden Produktionsteams mit Kommilitonen der übrigen Studiengänge der Fakultät Darstellende Kunst, wie Musiktheater, Musical/Show, Schauspiel, Kostümbild und Szenisches Schreiben. So sollen wirklichkeitsnahe, aber in Zeit und Aufwand gestraffte Theaterinszenierungen in einem eigenen Studioraum entstehen. Auch Regiestudenten der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ sollen in den Teams mitarbeiten. Dann kann die Kommunikation innerhalb eines Inszenierungsteams trainiert werden – das A und O der bühnenbildnerischen Praxis.

Entwürfe, Modelle und Objekte sind beim Rundgang im Hauptgebäude und in der Lietzenburger Straße 45 zu sehen.

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