Zeitung Heute : Mehr Platz im Regal – und im Kopf Entrümpeln befreit und macht gute Laune

Gian-Philip Andreas (dpa)
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Ausgelesen? Alte Bücher kann man zum Flohmarkt tragen oder spenden. Foto: dpa-tmndpa

In der Ecke stapelt sich das Altpapier. Der Kleiderschrank quillt über. Und die alte Möbelgarnitur müsste auch mal weg: Spätestens im Frühjahr regt sich bei vielen Menschen der Wunsch, sich von überflüssigem Ballast zu befreien. Wer beim Entrümpeln organisiert vorgeht, schafft nicht nur Freiräume in der Wohnung, sondern verbessert auch seine Laune.

Die Wohnexpertin und Designerin Katharina Semling aus Oldenburg empfiehlt das Drei-Kisten-System. Es gehorche einer einfachen Logik, so „wie damals bei den Liebesbriefzetteln zum Ankreuzen in der Schule: ja, nein, vielleicht“. In die erste Kiste sollten jene Dinge wandern, die sofort aussortiert werden können. Die zweite Kiste ist für Sachen, die man ohne jeden Zweifel behalten will.

Die dritte ist die „Vielleicht“-Kiste. In ihr landen Gegenstände, über deren Verbleib erst später entschieden wird. Der Münchner Persönlichkeitstrainer Marco von Münchhausen hat eine Faustregel für diese Kiste: „Was ein Jahr nach dem Entrümpeln immer noch darin liegt, kommt weg.“ Das Entrümpeln habe immer auch einen psychologischen Nutzen, erläutert von Münchhausen: „Aufräumen schafft nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich Ordnung.“ Ein weiterer Vorteil: „Während man derart beschäftigt ist, hört man mit dem Grübeln auf.“ Semling rät auch zu regelmäßigen kleinen Entrümpelungen. So stehe man beim Frühjahrsputz nicht vor einem allzu großen Berg Arbeit: „Alle zwei Wochen kann man sich eine Schublade oder einen Regalabschnitt vornehmen.“ Das beschere unmittelbar ein Erfolgserlebnis, selbst an schlechten Tagen.

Von Münchhausen unterscheidet zwei Entrümpelungstaktiken: entweder ein langes Wochenende im Jahr reservieren und sich konsequent vom Keller bis zum Speicher vorarbeiten oder etappenweise aufräumen. Um Frust zu vermeiden, sollte man in beiden Fällen dort beginnen, wo das Aufräumen am leichtesten fällt.

Spätestens vor einem Umzug könne man sich nicht mehr um das Entrümpeln drücken, sagt Dierk Hochgesang vom Bundesverband Möbelspedition und Logistik in Hattersheim: „Damit man sich hinterher nicht ärgert, dass das Umzugsunternehmen unnötige Dinge transportiert hat, sollte man seinen Hausstand vorher kritisch hinterfragen.“

Fällt beim Ausmisten viel Abfall an, hilft die Sperrmüllabfuhr. Die ist in den Bundesländern unterschiedlich geregelt: Mancherorts gibt es feste Abfuhrtage, anderswo kann der Service telefonisch oder per Internet bestellt werden. Oft ist beides der Fall. Manche Abfälle dürfen nicht in den Sperrmüll, sondern müssen zum Wertstoffhof gebracht werden, etwa Elektroschrott oder Öle.

Doch nicht alles, was beim Entrümpeln aussortiert wurde, muss zwangsläufig in der Mülltonne enden: „So wie man Kleider in die Altkleidersammlung gibt, kann man ausgemusterte Gegenstände oder ungewollte Geschenke zum Beispiel an Sozialprojekte verschenken“, sagt Katharina Semling. Oder sie finden in „Umsonst“-Läden oder übers Internet neue Besitzer. Gian-Philip Andreas (dpa)

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