Mein Garten EDEN : 16 Quadratmeter Lustschlösschen

Ursula Friedrich

In der neuesten Annonce eines Garten-Centers kam zum ersten Mal das Wort Herbst vor. Ich war sofort deprimiert bei dem Gedanken, jetzt, wo wir doch noch Sommer haben, Herbstkrokusse, Herbstanemonen und Herbstzeitlose ins Beet zu bringen. Als „späte Pracht“. Also, da stürze ich mich lieber in die Stilfrage. Wurde in einem Magazin ausführlich behandelt.

Bin ich der Typ für einen mehr ländlichen Garten? Oder für eine eher elegante Anlage mit Buchsbaum und zum Beispiel durchgehend in Weiß blühenden Blumen? Bin ich der asiatische Typ für Steinlampen und so? Oder der meditative Typ? Der Letztere ist nicht daran zu erkennen, dass er gern im Liegestuhl liegt (wie ich), sondern er legt in seinem Garten ein Labyrinth an.

Nein, nicht wie Sie denken und anfänglich auch ich dachte, einen Irrgarten. Ein Labyrinth legt man an, indem man alle Pflanzungen in seinem Garten aufgibt, das Gebiet mit trockenem Moos und kleingeschnittener Rinde aus dem Wald bedeckt. Auf diesem Untergrund verlegt man dann mit 8500 Kieselsteinen ein ausgeklügeltes Wegesystem mit einem Anfang und vielen Öffnungen bis zum Ausgang. Diesem System folgt der Eintretende langsam, wie träumerisch, bis er wieder herauskommt. Das nennt man den „Weg der Gelassenheit“. Ich kann hier leider das beigefügte Foto nicht wiedergeben – aber seltsamerweise hat schon das Bild in mir die Lust erweckt, in so einem Labyrinth herumzugehen. Mir war echt meditativ zumute. Sehr teuer ist es auch nicht, mit circa 1000 Euro fürs Material kommt man zurecht. Der Anstoß zu dieser Idee stammt aus Amerika. Wenn man so ein Labyrinth hat, kann man sogar Eintritt verlangen, damit auch andere Menschen zur Ruhe gelangen. Schade, mein Garten ist zu klein.

Aber vielleicht sind Sie sowieso mehr der Lustschloss-Typ. Eine Firma in Norddeutschland bietet ein weißes Gartenhaus mit Terrasse an, 16 Quadratmeter zum Preis von – kein Druckfehler – ab 93 000 Euro. Ausstattung mit Edelholzpaneelen, verrottungsfreien Dämmstoffplatten und Isolierglas-Sprossenfenstern. Sowas würde natürlich gar nicht zu meinem Stil des Einfamilienhäuschens passen.

Der Chefgärtner der Blumeninsel Mainau sagt in einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“: „Für einen Garten wird heute weit mehr Geld ausgegeben als früher. Die Gestaltung ist künstlerischer und aufwendiger, es wird mit Holz und Wasser gearbeitet. Der Naturgarten ist passé.“

Wie steh ich da mit meinem Phlox, zwei Sonnenblumen und Löwenmäulchen? Ich muss zugeben, mein Stil ist absolut indiskutabel. Und meine Gartenmöbel sind auch abgewetzt. Wie soll ich zur Gelassenheit kommen?Ursula Friedrich

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