Zeitung Heute : Mein Garten Eden: Das Usambaraveilchen

Ursula Friedrich

Früher mal hatte die Dame aus besseren Kreisen in ihrer Wohnung einen Salon. Der Salon war elegant mit Spitzenvorhängen, Seidenstühlen und einem so genannten Sekretär ausgestattet. Man wohnte nicht darin. Er wurde für Kaffeekränzchen und feinere Besuche benützt. Außerhalb solcher Gelegenheiten wurde der Raum nicht geheizt. Es roch immer ein bisschen nach stehen gebliebener Luft darin.

Ein Usambaraveilchen war der ideale Salonschmuck. Es stand auf einem Spitzendeckchen und blühte einsam vor sich hin. Kühle machte ihm nichts aus. Mit seinen pelzigen Blättern wirkte es etwas staubig, auch irgendwie abgestanden. Ich erinnere mich so genau, weil eine Großtante von mir so einen Salon plus Usambaraveilchen besaß. Sie gefielen mir nicht besonders, und die Tante mochte ich auch nicht. Deshalb habe ich bei mir selber lange Zeit kein Usambaraveilchen ins Wohnzimmer gestellt.

Aber das hat sich geändert. Wie kann man auf die Dauer einer Blume widerstehen, die so anspruchslos, dankbar und blühfreudig ist? Es gibt sie mittlerweile nicht nur in ernstem Violett, sondern auch in Purpur, Weiß, Pink, hellem Blau, zweifarbig, mit gefiederten, gezähnten, üppigen großen und zarten kleinen Blüten. In den USA hat man bereits gelbe und lindgrüne Blüten gezüchtet - auf die freue ich mich schon. Sie werden sicher bald auch im Supermarkt zu haben sein, wo Usambaraveilchen ja stets in Mengen angeboten werden.

Das Usambaraveilchen (Saintpaulia) stammt aus der ostafrikanischen Landschaft Usambara. Dort wurde es von einem Baron Saint-Paul entdeckt, der es mit nach Europa nahm. Diesem Baron verdankt es auch seinen internationalen Namen. Ob der Baron vor guten 150 Jahren voraussah, dass er einen botanischen Hit in seinem Gepäck hatte? Mit 20 Arten und einigen tausend verschiedenen Sorten gehört das Veilchen, das mit unserem heimischen Veilchen nicht verwandt ist, bis heute zu den beliebtesten Zimmerpflanzen. Ganz ist es nie aus der Mode gekommen - vorübergehend hafteten ihm wohl mal die Salonerinnerungen an. Heute ist es voll "in". Man pflanzt mehrere Töpfe in verschiedenen Farben zusammen in eine flache Schale: als freudiger Farbenpunkt auch geeignet für WGs, Wohnküchen und Büros.

Usambaraveilchen mögen spärliches, aber regelmäßiges Gießen, wobei die Blätter möglichst nicht benetzt werden sollen. Sie lieben Luftfeuchtigkeit, deshalb ist es günstig, die Töpfchen auf feuchten Kies zu stellen. Helles Licht haben sie gern, aber kein pralles Sonnenlicht. Sie sind anfällig für die weiße Fliege, Schildläuse und Mehltau. Meine Pflanzen haben darunter nie gelitten. Im Notfall würde ich auf spezielle Mittel zurückgreifen, die es im Gartencenter gibt. Ich habe auch von einem Usambaraveilchen-Dünger gehört, den habe ich aber bisher nirgends gefunden. Es geht meinen kleinen Schätzchen trotzdem gut. Nur bei der Nachzucht hapert es: überall liest man, dass man nur ein Blatt in frische Erde stecken muss, schon bildet sich eine neue Veilchenrosette. Also, das haut bei mir nicht hin. Leider.

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