Zeitung Heute : MEIN GARTEN EDEN: Der Fuchs

Ein Dieb hat im Garten unserer Autorin seine Spuren hinterlassen. Er kam auf vier Pfoten und trägt einen buschigen Schwanz.

Ursula Friedrich

Von Ursula Friedrich

Wir wohnen nah am Wald, in lauter kleinen Einfamilienhäusern. Sie wurden so nacheinander gebaut in den letzten vierzig Jahren. Früher, sagte mir eine Nachbarin, die sich als eine der ersten hier ansiedelte, früher kamen die Füchse bis ans Haus. Und die Rehe ästen da, wo ich jetzt bin. Letzteres ist eine schöne Vorstellung. Auf die Füchse vor dem Haus kann ich verzichten. Sie bellen den Mond an, sagt meine Nachbarin, das klingt richtig unheimlich.

So. Und seit ein paar Tagen weiß ich, dass ein Fuchs meinen Garten besucht. Bevor es schneite, aber schon ziemlich kalt war, ließ ich eines Abends meine alten ledernen Gartenschuhe vor der Tür stehen. Am nächsten Morgen war einer weg. Wer stiehlt einen alten Schuh? Dann kam der Schnee. Und ich bemerkte eine merkwürdige Spur, quer durch den Garten. Unter der Thujenhecke verschwand sie. Wie mit der Schnur gezogen runde Abdrücke, einer hinter dem anderen. Und dazwischen eine verwischte Schleifspur. Katze? Die setzt ihre Pfoten nicht so kerzengerade. Und die Schleifspur deutete auf einen buschigen Schwanz hin.

Fuchs! Wir haben einen Fuchs im Garten, der bei großem Hunger Schuhe frisst. Und eine Ente vom Grundstück über der Straße, dort fehlt seit gestern der Erpel. Dürfte ihm besser geschmeckt haben als mein Latschen. Aber es ist mir nicht zum Lachen. Würde so ein Fuchs auch meinen kleinen Hund angreifen? Füchse sind größer als Dackel. Ich habe mal im Sommer einen aus dem Maisfeld kommen sehen. Füchse verbreiten Tollwut. Füchse haben den Fuchsbandwurm.

Ein Fuchs (Vulpes vulpes), lese ich nach, ist etwa 1,30 Meter lang, inklusive Schwanz. „Seine Jagd gilt allem Getier, vom jungen Reh bis zum Käfer. Am liebsten frisst er Mäuse. Er holt die Eier von am Boden brütenden Vögeln, schwimmt und watet durch Sumpf und Moor auf der Suche nach brütenden Enten. In Weinbergen und Gärten ist er sicher ein häufigerer Gast, als man gewöhnlich glaubt. Er mag auch gern süße Beeren, Birnen, Pflaumen und Trauben. Er ist sehr misstrauisch allem Fremden gegenüber. Wenn er sich aber sicher fühlt“, so Brehms Tierleben, „verwandelt sich seine Vorsicht in eine wirklich unverschämte Frechheit. Er erscheint bei hellem Tag im Hof, holt sich angesichts der Bewohner ein Huhn, eine Gans, macht sich mit seiner Beute offen davon und trägt sie ruhig seines Wegs.“ Er kann übrigens im Notfall auch sehr schnell und ausdauernd davon rennen.

Ich habe keine Hühner, keine Enten und meine Weihnachtsgans ziehe ich nicht selber groß. Aber ich habe es nicht gern, wenn ein Fuchs durch meinen Garten spaziert. Ein Räuber, ein schlauer Wegelagerer, ein Meisterdieb. Wie werde ich ihn los? Ein Schild am Zaun „Für Füchse Eintritt streng verboten“ dürfte wenig helfen.

Im Februar ranzt der Fuchs, was in der derben Jägersprache heißt, dass er auf Brautschau geht. Im April ungefähr wölft die Füchsin. Fuchsjunge sind ja süß, aber was ist, wenn ganze Fuchsfamilien durch unsere Gärten patrouillieren…? Ich mag kein vergiftetes Fleisch in den Garten legen. Wenn er Hunger hat, so wie in diesen Tagen, wo es eiseskalt ist und die Mäuse aus ihren Löchern nicht herauskommen, würde er den Köder trotz aller Vorsicht höchstwahrscheinlich fressen. Und elend zugrunde gehen, vielleicht sogar direkt bei mir. O Gott. Ich mache es jetzt einfach so: der Schnee wird ja wieder weggehen, und dann sehe ich wenigstens nicht mehr, ob er da war, mein Fuchs.

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