Mein KUNSTSTÜCK : Auf den Kopf gestellt

Katja Reimann beobachtet israelischen Alltag

Katja Reimann

Der alte Herr winkelt die Beine an, stemmt die Hände in den Sand und – stellt sich elegant auf den Kopf. Es ist David Ben Gurion, der Gründervater Israels und ein Fan der Feldenkrais-Methode, der hier auf Bildern des Pressefotografen Paul Goldman die nackten Füße in den Himmel streckt. „Ich muss auf dem Kopf stehen, damit Israel auf den Füßen stehen kann“, soll er einmal gesagt haben. Goldmans Foto, das in Israel schon längst Kultstatus hat, ist im Willy-Brandt-Haus zu sehen. Unter dem Titel 60 Jahre Pressefotografie aus Israel werden hier Aufnahmen von Goldman und seinem Kollegen David Rubinger ausgestellt. Sie zeigen einen jungen Staat auf der Suche nach einer Identität, spiegeln Alltagsleben und blenden auch innenpolitische Probleme nicht aus.

So fotografierte Rubinger einen blinden Jungen, der 1960 eine plastische Landkarte Israels ertastet, Ehud Olmert beim Geschirrspülen sowie die Not arabischer Vertriebener. Beeindruckend: ein Foto vom Text des „Liedes für den Frieden“, den Yitzchak Rabin bei seiner Ermordung 1995 in der Innentasche seiner Jacke trug. Das Papier, sorgsam in der Mitte gefaltet, ist von Blut durchtränkt.

Willy-Brandt-Haus, Stresemannstr. 28, bis So 20.4., Di-So, 12-18 Uhr

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