Mein KUNSTSTÜCK : Geh, wilder Knochenmann!

Eva Kalwa steigt hinab zu Trauma, Trauer und Trost

Eva Kalwa

Ihr Blick ist kokett, das Lächeln beinah sinnlich. Die Finger der jungen, hübschen Frau sind schlank. Stolz, fast zärtlich halten sie das Präzisionsgewehr. Wie viele Fotografien in der Ausstellung Der Tod und das Mädchen schockt das Bild der russischen Scharfschützin von 1944 durch die Koinzidenz von lebendiger Schönheit und tödlicher Vernichtung.

Für die deutsche, in New York lebende Fotokünstlerin Bettina Witteveen gehört der Tod zum Leben, die mechanisierte Vernichtung nicht. Sie zeigt Frauen als Opfer, aber auch als Täter, Mitläufer und Profiteure der zwei Weltkriege und des Vietnamkrieges. Neben die Bilder des Schreckens stellt Witteveen idyllische Naturaufnahmen. Da sie historisch belastete Orte zeigen, spenden sie zwar Trost, verweisen zugleich aber auf Traumata und offene Wunden. So entsteht in den kühlen Kellergewölben der Königstadt Brauerei, wo ukrainische Zwangsarbeiterinnen im zweiten Weltkrieg V2-Raketen montieren mussten, ein fragiles Gleichgewicht zwischen Schrecken und Schönheit: Ein zarter, ein starker Reigen der Bilder gegen den Krieg.

Alte Königstadt Brauerei, Seiteneingang Straßburger Str., Prenzlauer Berg, bis Mo 14.7., tgl. 11-19 Uhr, Eintritt frei

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