Meine Frau, ihr GARTEN und ich : Kokosnuss mit Stacheln

Der Hund flippte mal wieder aus. Zerrte wie ein Verrückter an seiner Leine, wollte schnüffeln.

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Ich hab’s ihm nicht erlaubt, weil da 100-prozentig was Ekliges im Busch war, der Hund hat eine ganz große Vorliebe für eklige Sachen. Oder er holt sich Staupe, die sich Hunde einfangen können, wenn sie an toten Füchsen schnuppern. Das wäre sehr schlecht für den Hund und ziemlich schlecht für mich, weil mir das meine Frau nicht verzeihen würde.

Sicherheitshalber habe ich also nachgeguckt. Und was sehe ich? Eine Kokosnuss. Was außerordentlich unwahrscheinlich ist in unseren Breiten. Also habe ich noch mal geguckt. Könnte auch ein zusammengerollter Igel sein. Lag freilich sehr still. Vielleicht tot? Vorsichtshalber habe ich mich zurückgezogen, weil ich nicht wusste, wie man jetzt einem Igel hilft.

Zu Hause habe ich dazu ein wenig recherchiert, der Naturschutzbund – Nabu – hat auf seiner Internetseite ein paar Informationen bereitgestellt, inklusive eines Blogs zum Hören. Wichtigste Aussage: Igel jetzt möglichst in Ruhe lassen, selbst wenn er wie tot daliegt. Sollte er es nämlich wirklich sein, ist es eh egal. Andernfalls hält er wahrscheinlich Winterschlaf. Und wecken sollte man ihn dann auf keinen Fall.

Winterschlaf. Daran hatte ich gar nicht gleich gedacht. Weil es mir nämlich bis vergangenen Mittwoch noch so warm schien, gar nicht wirklich winterlich. Im Gegenteil, in den Bäumen tirilierten Vögel, sogar ein Eichhörnchen sah ich rumrennen, kein Schnee nirgends. Aber, so sagt der Nabu, Winterschlaf ist auch nicht so sehr eine Frage der Temperatur, sondern eher eine Frage der vorausschauenden Versorgung. Eichhörnchen zum Beispiel, die halten keinen Winterschlaf, sondern Winterruhe. Die dösen so vor sich hin, ab und zu kriegen sie Hunger, stehen auf und schauen nach, was von ihren Vorräten noch da ist. Und wenn sie gefressen haben, hauen sie sich wieder hin, bis die Tage endlich länger werden.

Anders der Igel, der frisst sich Fettreserven an, von denen er zehren kann. Spätestens Mitte November zieht er sich zurück und fällt in einen Tiefschlaf. Erst, wenn es an der Zeit ist, erwacht er wieder. Was ihn einiges an Energie kostet, der Igel muss ja praktisch sein gesamtes Betriebssystem erst einmal hochfahren. Und das kann er nicht oft machen, sonst fehlt ihm nämlich am Ende des Winters die Energie für den endgültigen Neustart und sein todesähnlicher Schlaf geht gleich in den richtigen Tod über.

Daraus ergibt sich für Gartenbesitzer eine wichtige Konsequenz: Jetzt bloß nicht glauben, man müsse vor Ende März übertrieben Aktivitäten entfalten und mal unter der Hecke richtig aufräumen, den Krempel hinter dem Schuppen beseitigen oder doch noch den liegen gebliebenen Laubhaufen zusammenkehren. Könnte nämlich gut sein, dass da jemand drunter steckt, der gerade jetzt dringend seine Ruhe braucht.

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