Meine Frau, ihr GARTEN … : Von Laubsaugern und Gaslaternen

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Ich muss hier auf die Kolumne vom letzten Mal zurückkommen. Offenbar rührte die gleich an verschiedene Nerven. Und war wohl zumindest in einem Punkt missverständlich.

Weil ich nämlich geschrieben habe, Laubbläser und -sauger dürfen in Wohngebieten werktags nur von neun bis 13 und 15 bis 17 Uhr betrieben werden. So steht es in den „Informationen zum Betrieb von Rasenmähern und anderen motorbetriebenen Gartengeräten“, die die Berliner Umweltbehörden auch online herausgeben (www.berlin.de/umwelt/aufgaben/laerm-masch-geraete.html).

Mit der Preisgabe dieser Information habe ich mir den Zorn der BSR zugezogen. Ich habe nämlich verschwiegen, dass es in dem gleichen Merkblatt, in dem, wen es interessiert, auch noch auf die Umweltschädlichkeit dieser Geräte verwiesen wird, ein wenig weiter unter „Ausnahmen“ heißt es: „Für öffentliche Straßen im Sinne des Paragrafen 2 des Berliner Straßengesetzes und nichtbundeseigene Schienenwege gelten die Betriebseinschränkungen an Werktagen nur für die Zeit von 22 Uhr bis 6 Uhr.“ Weshalb die BSR dort ausdrücklich ganztägig Laubblasen und -saugen darf. Ebenfalls ausgenommen sind Geräte, die das Umweltzeichen der Europäischen Union tragen und als lärmarm gelten, die müssen nur werktags von 20 bis 7 Uhr schweigen.

Alle anderen, also alle ohne Umweltzeichen und alle, die auf privatem Grund tätig sind, riskieren demnach ein Bußgeld, bis zu 50 000 Euro werden angedroht – es sei denn, sie können im Einzelfall nachweisen, dass sie im Sinne einer Gefahrenabwehr gehandelt haben. Und noch etwas: Nie wäre es mir in den Sinn gekommen, die schwere Arbeit der BSR zu diskreditieren. Ich hoffe, man verzeiht mir dort. Und es war sicher auch nur ein Zufall, dass unsere Mülltonne bei der vorletzten Leerung nicht mehr an die gewohnte Stelle zurückgebracht wurde. Meine Frau gibt nämlich jetzt mir die Schuld – weil ich so vorlaut war.

Schwamm drüber. Wenden wir uns der Straßenbeleuchtung zu. Aus gutem Grund habe ich mich bisher in der Gaslaternendebatte zurückgehalten. Ist ja auch ziemlich riskantes Terrain. Obwohl ich da etwas beisteuern könnte: Straßenbäume, die zwischen Gaslaternen stehen, werfen zuweilen ihr Laub früher ab. Weil die Laternen mit dem Gas das Pflanzenhormon Ethylen verströmen. Das gleiche Hormon steuert auch den Blattabwurf. Was ja nichts anderes bedeutet, als dass in Straßen ohne Gaslaternen die verbleibende Zeit zum Einsammeln des Laubes vor dem ersten Schneefall künftig kürzer wird. Ein Aspekt, der bisher noch gar nicht diskutiert wurde!

In unserer Straße spielt das leider keine Rolle mehr. Da ist das Licht seit Monaten auf beinahe 100 Metern komplett ausgefallen. Und obwohl ich bestimmt schon fünfmal angerufen habe, blieb es bis jetzt sehr, sehr dunkel. Habe ich es mir denn mit allen verdorben? Andreas Austilat

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