Mein KUNSTSTÜCK : Ein schöner Rücken

Christina Tilmann

Noch nicht genug vom Silvesterkonzert? In der Ausstellung Mutations II – Moving Stills in der Berlinischen Galerie ist derzeit ein ganz besonderes Konzert zu hören. In einem Kabinett erklingt Dimitri Schostakovichs Kammersinfonie „Opus 110a“, und das Einzige, was man auf der Leinwand sieht, ist der befrackte Rücken des Dirigenten Christoph Poppen. Er dirigiert das Münchner Kammerorchester mit Leidenschaft und Kraft – und der Frackrücken wirft Falten, kräuselt sich, verzieht sich nach rechts oder links, spannt sich und wird dann wieder locker.

Es dauert seine Zeit, bis man Bild und Musik zusammen bringt, und der Effekt ist zunächst recht komisch. Dann aber entfaltet die Arbeit ihre Magie: Visueller Minimalismus und akustische Überwältigung finden mühelos zusammen. Der gebürtige Münchner, ausgebildete Gärtner und preisgekrönte Videokünstler Christoph Brech ist ein Spezialist der Verlangsamung, auch wenn er, zu Bildern vorbeiziehender Eisbrecher, in der Arbeit „Break“ Wagners „Rheingold“ in extremer Zeitlupe spielt. „Opus 110a“ jedoch ist sein Meisterwerk. Wie viel Musik kann in einer Jackenfalte stecken.

Berlinische Galerie, Alte Jakob str. 124-128, bis Mo 2.2., tägl. außer Di 10-18 Uhr

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