Mein KUNSTSTÜCK : Gedanken- blitze

Jens Hinrichsen

Dass Bildhauerei mit wuchtigen Formaten einhergehen muss, war schon immer ein Klischee. Seit Februar 2009 wird im Georg-Kolbe-Museum eine Kunstkammer von drei mal drei Metern Grundfläche bespielt. Der knappe Raum fordert Miniaturen und filigrane Feinarbeit. Für die fünfte Ausgabe der Ausstellungsreihe fährt der Rebecca-Horn-Schüler Markus Schaller einerseits „schweres Geschütz“ auf: gestapelte Stahlplatten, die in Fußmattenüberformat den Boden der Kammer bedecken. Andererseits verweist die Installation Ein paar Worte aus 57 solcher fleckig angelaufenen Rechtecke auf die irrlichternde Sphäre der Gedankenblitze. Schaller benutzte eine tonnenschwere Hydraulikpresse als Schreibmaschine. Für jeden Buchstaben, der in den erwärmten Stahl gepresst wurde, benötigte der Künstler – der früher Schriftsteller war – fünf Minuten. Es entstanden Sätze wie im Gedankenfluss, ohne Punkt und Komma. „(...) Wiederholbar milliardenfach atmen zusammen unentwegt verschieden zur gleichen Zeit (...)“ steht da zum Beispiel. Und während man liest, scheinen sich die stählernen Tafeln vom Boden zu lösen, vielleicht nur ein bisschen. Flieg, Gedanke.

Georg-Kolbe-Museum,

Sensburger Allee 25, bis So 14.2., Di-So 10-18 Uhr, 5 €, erm. 3 €

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