Mein KUNSTSTÜCK : Meer aus der Flasche

Annabelle Seubert

Läuft mal wieder nichts im Fernsehen? Dann auf zum Schinkel Pavillon, da gibt’s das ultimative Sonderprogramm. Vier alte Fernsehapparate zeigen vier Mal 60-minütige Videoloops. Auf die Primetime verzichtet Mike Kelley, nicht aber auf die Dämmerung. Der amerikanische Künstler hat sich den Vorabend ausgesucht. Dann fällt das Sonnenlicht durch die hohen Fenster des Ausstellungsraums für zeitgenössische Skulptur – und leuchtet dunklen Stein hell aus. Die TV-Geräte sitzen nämlich auf monumentalen Felsbrocken. Das klingt unbequem. Ist aber ganz zart. Jedenfalls das, was auf den Bildschirmen zu sehen ist: Glasbehälter, die sich wie von Geisterhand mit Wasser füllen, verfärben und plötzlich einen Eisrand bilden. Sand und Kies vermischen sich darin. Pflänzchen wiegen und wirbeln, blühen auf und verschwinden wieder. Formen erinnern an Korallenriffe, tauchen leise auf und ab. Schatten legt sich über das kleine Stück Meereslandschaft, nur um das Farbenspiel danach wieder preiszugeben. Und irgendwo kommt diese schöne Musik her. Hohe Klänge. Ein Kirchenchor? Märchenmusik? Einschalten!

Schinkel Pavillon, Oberwallstr. 1, Mitte, bis Sa 27.3., Do-So 16-20 Uhr

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